Reise des Evangelischen Bildungswerks – Auf den Spuren Martin Luthers

Wo sollte im Jahr des Reformationsjubiläums die Reise sonst hingehen als zu den berühmten historischen Orten ins Kernland der Reformation, nach Thüringen und Sachsen-Anhalt?

 

Wegen der doch diesmal längeren Strecke und dem reichhaltigen Programm hatte unser Reiseleiter Peter Kimmel für dieses Jahr fünf ganze Tage eingeplant, und so brachen wir am 16. Mai 2017 frühmorgens mit einem Bus der Firma Apfl ins Land der Reformation auf.

Die 500-Jahr-Feier des Thesenanschlages hat heuer so großes Interesse bei Medien, Veranstaltern und Reisenden gefunden, dass wir unser Hotel in der wunderschönen Altstadt von Erfurt schon eineinhalb Jahre im Voraus reservieren mussten. Ebenso waren die Führungen durch das Augustinerkloster und die Wartburg nur durch große Beharrlichkeit zu bekommen.

Doch alles der Reihe nach:

Nach dem Besuch der Veste Coburg mit der bayrischen Landesausstellung zum Thema „Ritter, Bauern, Lutheraner“ bezogen wir abends unser Hotel „Krämerbrücke“, das so idyllisch in der Bilderbuchaltstadt von Erfurt gelegen ist, dass man normalerweise nur zu Fuß bis hin kommen kann. Unser Fahrer Wolfgang war übrigens der erste, der jemals mit einem Bus zu unserem Hotel im Zentrum zugefahren ist. An den herrlich warmen Sommerabenden saßen auch wir gerne zusammen mit den Studenten der Uni unter Kastanienbäumen in den Biergärten.

Der zweite Tag war ganz der Besichtigung Erfurts gewidmet. Natürlich sahen wir auch das Augustinerkloster, wo Luther seinen Lebensabschnitt als Augustinereremit verlebte. Die asketischen Schauzellen zeigten, wie bescheiden so ein mönchisches Leben war. Die jüdische Alte Synagoge mit dem vor kurzem gefundenen Goldschatz war sehr beeindruckend.

Der nächste Tag war den Lebensorten Martin Luthers gewidmet. In Eisleben wurde er als Sohn eines Bergmannes geboren und am Martinstag, dem 11. November 1483, getauft. Diese kleine Stadt sollte dann 63 Jahre später auch zu seinem Sterbeort werden. Im nahe gelegenen Mansfeld besuchten wir sein Elternhaus und das Schloss der Grafen, in dem er wiederholt predigte. Der Höhepunkt der Reise war natürlich der Besuch von Eisenach mit der Wartburg, wo Luther als „Junker Jörg“ verkleidet 1522 die Übersetzung des Neuen Testamentes verfasste. In all diesen Orten gibt es Denkmäler und Sonderausstellungen zu verschiedenen Themenschwerpunkten.

Am Rückweg nach Österreich wollten wir die Stadt Weimar, diesen Brennpunkt der deutschen Geistesgeschichte, zumindest kurz streifen. Wir sahen die Wohnhäuser von Goethe, Schiller und Cranach und das Deutsche Theater. Der Cranachaltar in der Herderkirche war uns in seinen Einzelheiten aus der Reproduktion im Evangelischen Museum Rutzenmoos vertraut, aber seine Größe und beherrschende Stellung in der Kirche überraschte uns trotzdem.

Vielleicht wird manchem Leser in diesem Bericht die Stadt Wittenberg fehlen. Der Ort lag zu sehr abseits unserer Route, und außerdem ist er gerade jetzt von unglaublich vielen Besuchern überrannt.

Wie hat die Reise unser Bild von Luther und der Reformation verändert?

Zum allgemein bekannten Lutherbild wurden in den Ausstellungen auch Sonderbereiche angesprochen, so zum Beispiel seine harsche Kritik an den aufständischen Bauern, sein Verhältnis zu den Juden, oder der Missbrauch, der in Zeiten des deutschen Nationalismus mit dem Reformator als deutscher Held betrieben wurde. Wir bekamen auch einen Eindruck, welches Arbeitspensum dieser Mann sich auferlegt hatte. Die Wege mussten damals vor allem zu Fuß zurückgelegt werden. So musste Luther zum Reichstag zu Worms von Wittenberg aus zwei Wochen marschieren. Nach Rom brach er im November 1512 auf und überquerte die Alpen im Winter zu Fuß.

Da der Erfolg einer Reise auch immer vom leiblichen Wohlbefinden abhängt, hatte unser Reiseleiter mit Bedacht einige sehr schön gelegene Gaststätten gewählt, die uns die Thüringische Küche nahe brachten. Ohne Kartoffelklöße geht da gar nichts. Diese werden aber immer begleitet von Wildgulasch, Schweinebraten mit Rotkohl und natürlich von Bratwürsten.

Der Dank für unseren umsichtigen Reiseleiter wurde gebührend ausgedrückt. Dank auch an die mitfahrenden Theologen, die uns jeden Tag mit einer Morgenandacht beginnen ließen. Auch den 45 Reiseteilnehmern wollen wir für die gute Laune und das Durchhaltevermögen danken.

I. Kimmel