Geschichte

Kirchenbau und Kirchenweihe

Die Vorbereitungen begannen schon im Sommer 1871. Michael Neudorfer, Gattinger zu Pilsbach, stellte Lehmgrund zur Verfügung, aus dem 60.000 Stück Ziegel gewonnen wurden. Dazu kamen die Spenden des Gustav-Adolf-Vereins, Haussammlungen in Oberösterreich und Cisleithanien und Spenden von Vöcklabrucker Bürgern. Trotzdem kam die Gemeinde in arge Not. Die Kosten des Baues waren auf 25.000 Gulden veranschlagt worden. Im Oktober 1874 war die Kirche nach außen fertig. Am 6. Oktober konnte die Feier der Kreuzaufsteckung in schlichter Weise begangen werden. Pfarrer Täuber hielt die Festpredigt. Von Ps. 11,4 ausgehend, versucht er die sorgengeplagte Gemeinde aufzurichten. "Der so vieles hat getan, hat noch mehr im Sinne..."
Am 15. November 1875 konnte endlich der große Freudentag der Kirchweihe begangen werden.
Die Zeitschrift "Halte, was du hast" gab über die Feier folgenden Bericht:

Noch einmal versammelte sich die Gemeinde im alten Betsaal wo Ortspfarrer Novak, nachdem einige Strophen des Liedes 'Lobe den Herren' gesungen worden waren, ein Gebet sprach und Pfarrer Koch aus Gmunden ein Abschiedswort in gebundener Rede hielt. Hierauf bewegte sich der Zug zum neuen Gotteshause, vor dessen Pforte Herr Superintendent Ritter v. Sääf mit herzlichen Worten den Schlüssel dem Ortspfarrer übergab, der dann dieselbe mit passenden Liederworten öffnete. Nun strömte die aus nah und fern gekommene Festversammlung in die Kirche und füllte dieselbe vollkommen aus. Die Anfangsliturgie wurde von Pfarrer Aug. Koch aus Rutzenmoos gesungen, hierauf vollzog Superintendent Ritter v. Sääf nach der über 2. Chron. 6,19-20 gehaltenen Weiherede den Weiheakt. Nach abermaligem Gesange betraten die Pfarrer Kotschy, Koch und Aumüller den Altar und lasen Evangelium, Apostolicum und die Epistel.

Dann folgte die mit großer Lebendigkeit vorgetragene Predigt des Pfarrers Novak über Eph. 2,19-22. Die Schlussliturgie wurde von Senior Koch (Wallern) gehalten und der Segen vom Herrn Superintendenten erteilt. Die Behörden und Honoratioren der Stadt hatten sich zahlreich am Feste beteiligt, die Liedertafel durch den Vortrag von zwei Chören zur Feier mitgewirkt. Nachmittags fand ein einfaches Mahl statt. Das Opfer bei diesem Fest betrug 1 36,41 Gulden. Im Inneren war noch manches unvollendet; Bänke, Altar und Kanzel noch nicht vollständig gestrichen, auf jeder Empore stand nur die Hälfte der nötigen Bänke. Dem Turm fehlten noch die Glocken.Die Kirche hat die Form eines gleichschenkligen Kreuzes. Sie weist einige Merkwürdigkeiten auf.

Die Sakristei wird vom Kirchenraum durch eine Quermauer geschieden, die sich ober dem Orgelchor öffnet, um sich darüber in drei von zwei gusseisernen Säulen getragenen Bögen wieder zu schließen.An dieser Quermauer steht der Altar und darüber ist die Kanzel angebracht.Ober dem Altar sah man Christus in Gethesemane, links und rechts von der Kanzel die Apostel Paulus und Petrus. Alle drei Ölbilder wurden von dem akademischen Maler Wallhammer in Vöcklabruck gemalt.

Das Altarbild wurde später schadhaft und ist durch ein Bild des hiesigen Malers Otto Lux ersetzt worden, das Jesus mit den Emmaus Jüngern darstellt. Länge und Breite der Kirche betragen 21,8 m, die Höhe der Kirchenmauern 13,27 m, die Höhe des Kirchendaches 9,48 m. Das Mauerwerk des schmalen Turmes hat eine Höhe von 22,76 m, die Turmspitze ist 18,96 m hoch. Die Gesamthöhe des Turms beträgt also 41,72 m. Die Kirche ist auf 500 Sitzplätze eingerichtet und kostete insgesamt 34.237 Gulden. Am 13. Oktober 1881 wurde die 100-jährige Wiederkehr des Toleranzpatenterlasses Josefs 11. festlich begangen. Beim Festgottesdienst wurde bekannt gegeben, dass die evangelische Kirche von Vöcklabruck von nun an "Friedenskirche" heißen solle. Wir sprachen davon, dass das Sinnbild der Stadt die Brücke ist. Mit dem Namen ihrer Kirche wollten die Evangelischen Vöcklabrucks zum Ausdruck bringen, dass sie mit der Bevölkerung der Stadt im Frieden zu leben wünschen und das Gemeinsame stärker betonen wollen, als das Trennende.