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Gemeindestruktur

Während der langen Jahre der Verfolgung konnte sich der evangelische Glaube nur auf dem Lande erhalten. In der Stadt fand das Toleranzpatent 1781 nur noch 13 evangelische Bekenner. Kein Wunder, dass die Gemeinde den bäuerlichen Charakter behielt. Um die Jahrhundertwende lebten von den rund 400 Seelen nur ca. 50 in der Stadt. Um der besseren Obersicht und Verwaltung willen wurde die Gemeinde in vier Viertel eingeteilt: In das Vöcklabrucker Viertel, zu dem auch Pilsbach, Teile von Regau, Freileiten, Lixlau, Schaichham, Schöndorf, Vornbuch und Ziegelwies gehörten; das Pichlwanger Viertel, zu dem Achmann, Gampern, Neukirchen, Teile von Seewalchen und ganz Timelkam mit Mairhof, Oberthalheim, Pichlwang und Witzelkirchen gehörten; das Ungenacher Viertel, zu dem Manning mit Scharedt und Starling, Ottnang mit Stocket und Thomasroith, Schmidham, Puchkirchen, Ungenach und Zell am Pettenfirst mit Franzeneck gehörten; das Baumgartinger Viertel, zu dem Atzbach mit Baumgarting und Köppach, Manning mit Au und Moos, Püret mit Altensam und Moosham, Rutzenham mit Bergern und schließlich Wolfsegg gehörten. Das kirchliche Leben war rege; es gab praktisch kein Haus, das am Sonntag nicht beim Gottesdienst vertreten gewesen wäre. Nach lutherischem Brauch wurde auch an den katholischen Feiertagen Gottesdienst gehalten. An den Fastenssonntagen und an allen Festtagen wurden auch Nachmittagsgottesdienste gehalten. Jeden Sonntag, an dem kein Abendmahl gefeiert wurde, wurde nach dem Gemeindegottesdienst die Christenlehre gehalten. Alle Konfirmierten hatten drei Jahre hindurch diese zu besuchen. Der großen und selbstverständlichen Kirchlichkeit der Gemeinde entsprach auch ihre Opferwilligkeit. Sie wird wiederholt in der kirchlichen Öffentlichkeit rühmend hervorgehoben. Im Bericht des österreichischen Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung 1888 heißt es "Man wird die begeisterte Opferwilligkeit, mit welcher die kleine Gemeinde für das Evangelium in Vöcklabruck all das geleistet hat... aufrichtig bewundern müssen".
Im 29. Bericht vom Jahr 1891 heißt es "Vöcklabruck bildet den Mittelpunkt einer an Seelenzahl unbedeutenden und an irdischen Gütern armen, dafür an evangelischer Liebe und Begeisterung desto reicheren evangelischen Gemeinde." In der oben erwähnten Chronik lesen wir "Trotz der großen Opfer, die die Gemeinde während der Baujahre gebracht hat, leisten die Gemeindeglieder auch heute noch Jahresbeiträge, wie sie in dieser Höhe bei keiner zweiten oberösterreichischen Gemeinde zu finden sind."