zum Nachdenken

In dieser Rubrik möchten wir verschiedene Anregungen geben, die zum Nachdenken über religiöse Fragen des Lebens einladen.

In weiteren Menüpunkten auf der Linken Seite finden Sie zusätzlich Predigten und Losungen.

Monatspruch Dezember 2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
(Lk 1,78-79)

Bild_Monatsspruch_Dez17
Alle Jahre wieder… Alle Jahre wieder erfasst uns das Weihnachtswunder. Und das nicht erst am Heiligabend, sondern schon durch die einerseits turbulente, andererseits aber ruhige Adventzeit, also den Dezember hindurch.

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und wenn es so wie heuer oft schneit und trüb ist, dann ist die Adventzeit auch recht dunkel. Da spürt man die Finsternis und wird nachdenklich. Da kann es auch sein, dass wir das Licht eines schönen Tages wieder herbeisehnen.

Von einem aufgehenden Licht, das uns besucht und die Finsternis vertreibt, spricht der Monatsspruch im Dezember. Er stammt aus dem Loblied des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer, der lange geschwiegen hatte, aber als ihm, einem alten Mann, ein Sohn, ein Geschenk vom Himmel, gegeben wird, bricht er sein Schweigen. Er bricht sein Schweigen, weil er spürt, dass sein Gott, der Gott seines Volkes und seiner Vorfahren, etwas Großartiges in Gang setzt. Er singt ein Loblied auf Gott.

In eine Welt voller Finsternis schickt Gott sein Licht. Er lässt es uns besuchen. Und das ist nicht nur die Finsternis des Winters, sondern eine viel tiefere Finsternis. Ja auch über 2000 Jahre nach dem Ankommen des göttlichen Lichts ist noch viel Finsternis in unserer Welt. Krieg, Unfrieden, Neid, Gier, Not und vieles mehr lassen unsere Tage, auch wenn die Sonne scheinen mag, recht finster erscheinen.

Die Welt ist immer noch finster, aber Gottes Licht scheint immer wieder in diese Finsternis hinein. Seine Barmherzigkeit und sein Frieden, den er uns Menschen durch seinen Sohn schenkt, sind wie ein Lichtstrahl in finsterster Nacht.

Ein Lichtstrahl wie ihn Zacharias empfunden hat. Ein Licht, das uns den Weg nach Weihnachten, nach Ostern und in Gottes Friedensreich weist.

So wünschen wir allen Leserinnen und Lesern Momente des Lichts in der freudvollen Weihnachtszeit. Momente, in denen wir Gottes Liebe und Barmherzigkeit spüren. Momente, in denen jede Finsternis dem Licht aus der Höhe weicht. Ein Weihnachtswunder alle Jahre wieder und jeden Tag.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch November 2017

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hes. 37,27)

Was für eine überwältigende, unvorstellbare  Zusage Gottes an sein Volk -  übrigens im Propheten Hesekiel gleich mehrmals nachzulesen -  die in Jesus auch für uns seine ganze Erfüllung findet! (2. Kor. 6,16)

Bild Monatsspruch Nov17Ja das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit! (Joh. 1,14) Aber noch vielmehr: Dieser allmächtige Gott wohnt nicht nur unter uns sondern durch seine Heiligen Geist sogar in uns:
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? (1. Kor. 3,16)

Und das hat Gültigkeit für die ganze Gemeinde – der Tempel Gottes als ein Haus aus lebendigen Steinen – aber auch für einen jeden einzelnen Gläubigen:
Christus wohnt durch den Glauben in unseren Herzen. (Eph. 3, 17) – also eine ganz enge Herzensverbindung mit unserem Herrn!

Aber wie schaut das in der Praxis, im Alltag aus?

„Gott besucht uns häufig, aber meistens sind wir nicht zu Hause.“  heißt es auf einer Spruchkarte, wo der Hirte enttäuscht vor dem leeren Gatter steht. Comic

Wir haben scheinbar nicht verstanden, was es Gott bedeutet, unter bzw. in uns zu wohnen. Beziehung ist ihm das Allerwichtigste, mehr als Dienst und Begabung.

Und so möchte er ins Wohnzimmer unseres Lebens, in den Mittelpunkt, dort eben wo sich unser Leben abspielt! Nicht in den Abstellraum, wo wir ihn gelegentlich hervorholen, nicht in den Winkel, der in manchen Häusern noch zu finden ist!

Wir haben ihn „ausgesiedelt“ in die Kirchen aus Stein, schenken ihm gelegentlich eine Stunde am Sonntag, holen ihm sogar zu den heiligen Feiertagen in unsere Wohnungen, aber ansonsten möchten die meisten von uns nicht viel mit ihm zu tun haben.

Unsere Zeit, unser Geld, unsere Lebensgestaltung, unsere Lebensmitte – ja unser Herz – da brauchen wir keinen lästigen Untermieter und schon gar nicht einen „im selben Haushalt“ angemeldeten Lebenspartner.

Gott möchte aber dieses Wohnrecht in unserem Herzen, damit unser Leben gelingen und eine herzliche Gemeinschaft im Geben und Nehmen entstehen kann!

Lassen wir Gott im Propheten Hesekiel nochmals zu Wort kommen: (Kap. 36, 26-28)

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

Da verheißt Gott etwas Gigantisches: Wenn er durch den Glauben in uns Wohnung nimmt wird unsere alte, verkrustete Natur durch ein neues, pulsierendes Herz ausgetauscht. Es entsteht eine ganz enge Gemeinschaft:

Aus DU und ICH wird WIR!!!

 

Und das alles nicht zum Selbstzweck, Nehemia schreibt dreimal „DAMIT“ und nennt dabei entscheidende Gründe:

damit wir Leute werden, die auch nach Gottes Wort und Willen leben können!

Nicht aus eigener Kraft, sondern mit Hilfe seines Geistes und seiner Liebe, die er uns geschenkt hat.

damit auch die, die ihn noch nicht kennen, erfahren, dass er der Herr ist!

Also zum glaubhaften, authentischen Zeugnis vor der Welt! (Wir sind ja sozusagen das 5. Evangelium, das von den Menschen um uns herum noch gelesen wird)

damit wir nicht mehr von Gott abirren, sondern beständig in dieser lebendigen Glaubensbeziehung zu ihm bleiben! (Wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt viel Frucht  - lautet mein Konfirmationsspruch)

Gott klopft an der Tür zum Wohnzimmer unseres Lebens – sind wir zu Hause und empfangen ihn mit den Worten:
Tritt ein  -  Herzlich Willkommen“?

Helmut Pichlmann

Monatspruch Oktober 2017

„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lk 15/10)

3 Schlüsselwörter finde ich: Freude, Sünder, Buße.

1. Freude:Fassade

Freude äußert sich durch Herzklopfen, Rührung sogar mit Tränen, Sprachlosigkeit, Stilles Innehalten,
dankbares Durchatmen aber auch durch Luftsprünge mit Jauchzen und Jubeln.
Allen Ausdrucksformen der Freude ist gemeinsam ein inniges, tiefes Gefühl, das schwer zu beschreiben ist. Eines, das man gerne öfters hätte. Ein Gefühl, das bewegt, aktiviert und das Gesicht erstrahlen lässt.
In diese Gefühlswelt führt uns das Bibelwort zum Monat Oktober hinein. In die Zeit, in der langsam die Natur zur Ruhe kommt, die letzten Früchte geerntet werden, wo die Dunkelheit der Nächte länger und länger wird. Freude und nicht depressives Gedankengut soll uns durchtragen – sogar bis hinein in die kurzen Tage des nahenden Winters.
Freude kommt nie grundlos auf. Freude im Umfeld Gottes erwähnt der Apostel. Aber: Ist denn bei Gott nicht ohnehin alles Freude, Friede und Glückseligkeit? Umso bemerkenswerter, dass gerade ein Mensch, nein, ein Sünder als Grund der Freude genannt wird.

2. Sünder/Sünde:

Lassen wir uns die Eigenschaften der Sünde erklären. Im Evangelischen Erwachsenen-Katechismus lese ich: Sünde bezeichnet das gestörte Verhältnis des Menschen zu Gott. Und weiter: Dieses wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus: Verachtung der Nächstenliebe, Maßlosigkeit im Kleinsten wie im Großen bis hin zur Überschätzung der eigenen Möglichkeiten (sein wollen wie Gott). Paulus gebraucht den Ausdruck „Leben nach dem Fleisch“, wobei damit das eigenmächtige Verhalten des Menschen gemeint ist, der sich von Gott gelöst hat. Paulus formuliert drastisch: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm 7/18,19)
Sünden“Start“ war bei Adam und Eva der Ungehorsam gegen Gott. Daraus folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Also sind alle Menschen getrennt von Gott. (bitte im Gesangbuch nachlesen unter 806.2 – das Augsburgische Bekenntnis, Artikel 2)
Die Erkenntnis, dass wir Sünder sind, erschließt sich nur im Glauben (Evang. Erwachsenen-Katechismus S 256). Diese Erkenntnis muss täglich erneuert werden, denn unsere sündige Natur setzt sich jeden Tag neu durch und will das gute Verhältnis zum Göttlichen in uns zerstören. (M. Luther: Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!)
Die von Gott getrennten Menschen (also die Sünder) zu erlösen ist Jesus Christus gekommen. ER hat dieses gewaltige Sündenpaket auf sich genommen und am Kreuz gesühnt. Durch Jesu Tod und Auferstehung sind alle an Jesus Glaubende von ihren Sünden befreit.
Jesus hat ein neues Kapitel aufgeschlagen, die Tür zum Paradies wieder geöffnet, den tiefen Graben zwischen Gott und Mensch überbrückt. Und nun – so hören wir – liegt es an uns Menschen. Wir haben die Wahl, uns für oder gegen Jesus zu entscheiden. Die Oktober-Botschaft ist klar: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“
Der Himmel bricht in Freudentaumel aus, wenn auch nur EIN Mensch das Angebot Jesu annimmt. Freude, die wir uns nicht vorstellen können und die uns beschämen würde, sobald wir erkennen, dass wir selbst der Auslöser sind:
Aus dem Sünder wird ein Jesus-Nachfolger.
Ein Jünger mit allen Stärken und Schwächen.
Ein Christ, der sich neben aller positiven Gesinnung auch seiner Sündhaftigkeit bewusst ist.

3. Das führt zum letzten Schlüsselwort des Monatsspruches: Buße

M. Luther: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: "Tut Buße", hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei.
Christen sind sich bewusst, dass der Gegner Gottes nie mit Störaktionen aufhören wird, um uns vom rechten Gottes-Weg abzubringen. Daher ist Umkehr (= Buße) die nötige Grundvoraussetzung um „bei der Stange“ zu bleiben, bei Gott zu bleiben. Ja, Buße klingt altmodisch. Vielleicht sind Begriffe wie Umkehr/Paradigmenwechsel/Besinnung/… für heutiges Verständnis griffiger. Auch gut.
Bei Gott jedenfalls herrscht Freude und Feststimmung, wenn dies passiert.
Übrigens: Eine ebenso große Freude darf uns “überfallen“, wenn wir glaubend begreifen, dass wir durch Christus Erlöste sind. Lassen wir es doch öfter „passieren“, dieses Rückbesinnen auf die Liebe Jesu, die uns erlöst hat. Dann fällt auch ein Akt der Buße, der Zerknirschtheit Gott gegenüber, nicht allzu schwer, denn:
Wir wissen um die Chance der Vergebung und dürfen sie nützen.
Freude im Himmel wird damit ausgelöst.
Freude, die wir uns nicht vorstellen können, die aber den Erlösten das Gesicht erstrahlen lässt.

Ich wünsche uns allen nicht bloß einen Oktober der Rückbesinnung auf 500 Jahre Reformation, sondern besonders darauf, dass Jesus Christus unser Herr ist und bleiben will, egal wie sehr uns das sündhafte Wesen drangsaliert.

Lasst uns einen schönen Herbst beginnen als Erlöste, denen die Freude ins Gesicht geschrieben ist.

Harry Muerth

Monatsspruch September 2017

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.
Lk 13,30 (L)

Woran erinnert uns dieser Bibeltext? Natürlich an das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das wir bei Matthäus 20, 1 - 16 finden. Die Auszahlung für die Arbeit beginnt bei den Letzten, die nur eine Stunde im Weinberg gearbeitet haben und endet mit denen, die seit der Früh beschäftigt waren und jeder bekommt den gleichen Lohn. Auf das Murren derer, die am längsten gearbeitet haben, sagt Jesus in Vers 16: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“ Der gleiche Satz wie bei Lukas, der noch ergänzt wird mit der Frage an die Murrenden: „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“Monatsspruch September
Auch in Lukas 13,30 finden wir die gleichen Worte, auch wenn das Gleichnis ein anderes ist. Wenden wir uns also dem Text aus Lukas zu, der vor Vers 30 steht. Es handelt sich um das Gleichnis von der engen und der verschlossenen Tür. Lukas 13, 22 -30.
Beginnen wir so: Es ist nicht schön, zu spät zu kommen.
Manchmal ist es sogar unangenehm, denn man stört die anderen, die schon mit etwas beschäftigt sind. Und vor allem hat man selber das Schönste verpasst, das lockere Ankommen, das Grüßen und das Gegrüßt-Werden, vielleicht das erste Getränk und den gegenseitigen Austausch mit den anderen. Man konnte sich auch keinen Überblick verschaffen, ob man jemanden aus der Gruppe kennt.
Manchmal ist es aber auch ganz zu spät, denn dann gibt es vielleicht keinen Einlass mehr; man hat zwar nicht alles, aber zumindest den Anfang verpasst. Das passiert im Theater, im Konzert. Man kann nicht gleich zu seinem Platz, man muss bis zu einer Pause warten, in der man dann vielleicht eingelassen wird. Und dann spürt man auch die Blicke derer, die pünktlich waren. Zu spät dran zu sein, ist nicht schön.
Einige Verse vor der Stelle, die uns zum Nachdenken anregt, spricht Jesus davon, dass viele durch die enge Pforte in das Reich Gottes hineinkommen wollen, es aber nicht schaffen werden. Dass man darum ringen soll, durch die Pforte hinein zu kommen.
Das Wort Pforte kennen wir heute nur mehr aus dem Klosterleben, denn die Klosterpforte gibt es nach wie vor. Auch der Pförtner ist uns noch bekannt, obwohl das Wort längst durch Portier oder Türsteher ersetzt wurde.
Im Mittelalter war die Pforte die kleine Tür neben dem Stadttor. Wenn man zu spät dran war, das Stadttor schon geschlossen war, dann konnte man bestenfalls durch diese Pforte daneben in die Stadt gelangen, nachdem man sich ausgewiesen und eventuell einen kleinen Beitrag gezahlt hatte, und war erst dann die Nacht über sicher untergebracht.
In unserem Text haben wir es mit zwei Dingen zu tun. Es geht um die Pforte für die Spätheimkehrer und um die Haustüre, die der Hausherr schließt. Wer immer spät kommt, kommt irgendwann einmal zu spät. Dann bleibt die Haustüre auch für den zu, den die Hausgemeinschaft kennt.
In dieser Erzählung spricht Jesus von Gott. Er kennt die nicht, die zu spät sind, oder will sie nicht kennen, obwohl er noch mit ihnen spricht. Nichts kann ihn umstimmen, auch nicht die Erwähnung von gemeinsamen Essen, von gemeinsam verbrachter Zeit. Gottes Antwort ist bitter: „Ich kenne dich nicht!“ Wer sich zu lange Zeit lässt, für den bleibt irgendwann die Tür zu. Der, der vor der Tür ist, der zu spät gekommen ist, der bleibt ausgeschlossen.
Und weiter heißt es: „Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.“
Versuchen wir also noch einmal zu verstehen, was es heißt, zu spät zu sein. Zu spät kommen heißt: Anderes war wichtiger. Ich habe eine Ausrede oder Rechtfertigung zur Hand. Aber am Ergebnis ändert es nichts. Weil ich zu spät bin, bekomme ich von den Menschen, von der Gemeinschaft, von der Umwelt, zu der ich gehöre, das Entscheidende nicht mit.
„Die Ersten werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten sein.“ Wir haben also nur noch zu sehen, wie es zu deuten ist. Einige Ausleger finden folgenden Hauptgedanken heraus: Da das himmlische Erbe nicht durch gute Werke erworben werden kann, sondern aus Gnade geschenkt wird, wird die Herrlichkeit für alle die gleiche sein.
Aber Christus erörtert hier gar nicht die Gleichheit der himmlischen Herrlichkeit für alle, auch nicht die zukünftige Lage der Gläubigen, sondern er erklärt nur, dass es gar keinen Grund dafür gibt, dass die, die der Zeit nach die Ersten sind, sich rühmen oder auf andere herabsehen können. Denn sooft der Herr will, kann er Leute berufen, die er eine Zeitlang zu vergessen schien, und er kann sie den zuerst Berufenen entweder gleichstellen oder sie ihnen sogar vorziehen.
Wenn die Tür zu bleibt, dann ist das schlussendlich die Quittung für eine lange Vorgeschichte. Menschen, Beziehungen, unsere Umwelt, alles, was uns lange egal war, das, was immer nur nach uns selber an zweiter Stelle stand, bietet uns irgendwann kein Zuhause mehr. Ohne dass wir es gemerkt haben, haben sich die zurückgezogen, die für uns immer an zweiter Stelle kamen.
Aber Gott sagt auch, warum die Tür für uns zu bleibt. Nicht, weil wir ihn zu wenig beachten würden, sondern weil er der Anwalt derer ist, die wir zu wenig beachten. Er hält uns den Spiegel vor: Ich weigere mich, euch zu kennen, so wie ihr euch weigert, die Menschen um euch wirklich kennen zu lernen.
Und nun geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Der Hausherr lässt – zumindest in den Worten Jesu – noch einen winzigen Spalt weit in sein Haus hineinsehen. Und der Spiegel, der uns vorgehalten wird, zeigt außer der Ablehnung noch ein anderes Bild. Da sitzen welche fröhlich an seinem Tisch. Viele sogar. Ganz verschiedene aus unterschiedlichen Zeiten. Stammväter Israels, mutige, aber schwierige Persönlichkeiten; ebenso auch die oft unbequemen Propheten. Man sieht all diejenigen, die sich früher oder später ganz auf andere eingelassen haben und darin Gottes Willen erfüllt haben. Sind sie nun gerettet, wir aber nicht? Das wäre die Botschaft, wenn das Zu-Spät für uns auch das Ende aller Zeitrechnung Gottes wäre.
Aber der Spiegel kann uns auch helfen. Vielleicht sehen wir im Spiegel Menschen am Tisch des Herrn sitzen, die wir vernachlässigt haben und es entsteht der Wunsch, ihnen nahe zu sein und mit ihnen zu reden. Man könnte sozusagen Versäumtes wieder gut machen.
Wir würden jedenfalls nur als verwandelte Menschen eintreten, die aufhören, immer zu spät zu kommen, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Wir würden uns wirklich für die anderen interessieren. Und so würden wir dann auch die Worte hören, die Jesus an anderer Stelle sagt: „Ich bin die Tür; wenn einer durch mich hineingeht, der wird selig werden.“
Jesus will damit sagen, dass viele Menschen, die meinen, wie die Pharisäer in Bezug auf religiöse Vorrechte „Erste“ sein zu müssen, nicht in das Reich Gottes eingehen werden. Sie werden „Letzte“ sein. Doch viele, einschließlich der Jünger Jesu, auf die die selbstgerechten Pharisäer als „Letzte“ herabblicken, werden „Erste“ sein, das heißt das Vorrecht erhalten, mit am Tisch im Reich Christi zu sein.

Gertrud Time

Monatsspruch August 2017

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.
Apg 26,22 (L)

Paulus blickt nach seinen vielen Reisen, mehr oder minder am Ende seiner Missionstätigkeit zurück. Er blickt zurück in dem Bewusstsein, dass sein Ringen um das Evangelium bald durch ein Urteil, wahrscheinlich ein Todesurteil, bald beendet wurde. Nichtsdestotrotz hält er an dem fest, was ihn so lange vorangetrieben und auch getragen hat: Die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi für uns, die in die Welt getragen werden muss.
Monatsspruch August
Paulus hatte es nicht leicht, doch er spürte Gott durch seinen Sohn ganz stark in seinem Leben. In Gefahr und Verfolgung war Gott da, mit seiner Hilfe. So nutzt er die Gelegenheit im Angesicht seiner Richter nochmals von Gott und seiner Liebe und Gnade für uns zu erzählen, von der er nicht nur erzählte, sondern die er ganz deutlich in seinem Leben spürte. Im Angesicht des Todes spürt er nach wie vor Gottes Liebe und kann nicht anders, als davon Zeugnis abzulegen.
Gott trägt das Leben der Menschen, die sich zu ihm bekennen und ruft uns dadurch auf, dies der Welt mitzuteilen. Kurz und knapp ist hier formuliert, was es ausmacht Christin bzw. Christ zu sein: ein anderes Lebensgefühl, ja eigentlich sogar ein anderes Leben – verbunden mit einem Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung, das nur Gott selbst sein kann.
Für Menschen in unseren Breiten in der heutigen Zeit sind die Gefahren und Mühen, die Paulus für seine Aufgabe auf sich nehmen musste, kaum vorstellbar. Wir leben in Österreich nicht in einer Welt, in der wir gefordert sind, für unseren Glauben unser Leben aufs Spiel zu setzen.
Und doch gibt es viele Momente in unserem Leben, in denen wir dieses Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung dringendst brauchen. Ein gute Freundin von mir, die mit der Religion nichts am Hut hat, ist Anfang 30 hat einen tollen Job, eine glückliche Beziehung – ihr fehlt es an nichts. Und doch ist sie „todunglücklich“. Sie sieht in ihrem Leben, in dem was sie Tag für Tag tut, keinen Sinn. Sie ist verzweifelt. Burnoutgefahr mit Anfang 30.
Ich denke, jede und jeder von uns kennt solche Menschen. Die, obwohl es eigentlich an nichts fehlt, verzweifeln und leiden. Und wir wünschen diesen Menschen, dass sie einmal zurückblicken können und sich freuen, dass sie solche Phasen überstanden haben. Aber das Ganze ist dann doch nicht so einfach.
In einer Welt des Überflusses haben wir von fast allem mehr als genug. Und doch fehlt es immer wieder am notwendigsten: nämlich dem Sinn. Sinn des Lebens, Sinn zu überleben. Sinn können wir uns kaum selbst geben. Aber – und das ist meine feste Überzeugung – Sinn können wir erfahren, Sinn können wir uns schenken lassen.
Gott hat all dem, woran wir leiden, dem Großen und Kleinen, dem, was uns oft sinnlos erscheint, einen Sinn entgegengesetzt. Durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Leben, Sterben und Auferstehen, gibt er sich uns Menschen. Schenkt er uns Liebe, Leben und Hoffnung, kurz gesagt: Sinn.
Das anzunehmen und zu erkennen ist eine Gnade, denn dann können wir das Leben, wie schwierig es auch manchmal erscheint, annehmen und es sinnvoll führen, denn Gott gibt allem einen Sinn. Das trägt, das dürfen wir erfahren. Ohne Gott wird’s da schon erheblich schwieriger.

 Pfr. Lang

Monatsspruch Juli 2017

Philipper 1,9: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

1.7.2017. 7.7.2017. Heiße Daten - auch in unserer Friedenskirche. Sommerzeit ist Hochzeitszeit und umso mehr, wenn das Datum irgendwie geschichtsträchtig wirkt. Da passt auch unser aktueller Monatsspruch perfekt. Er hört sich an, wie ein frommer Wunsch zu einer Trauung.

Monatsspruch Juli
Nur richtet sich Paulus nicht an Brautpaar, sondern an die von ihm geliebten Philipper, die er selbst zum Glauben an Jesus Christus angeleitet hat. Ihre Liebe soll immer reicher werden – an Erkenntnis und Erfahrung. Das Wort der Heiligen Schrift war aber nicht nur einmal an die Philipper vor fast zweitausend Jahren gerichtet, sondern auch an uns, Christinnen und Christen, von heute.

Ein frommer Wunsch des Apostels, der nur allzu logisch ist. Liebe muss reifen. Da drängt sich dann doch gleich wieder der Vergleich mit dem Brautpaar auf. Wenn ich mich verliebe, dann stellt sich meine Welt buchstäblich auf den Kopf. Und wenn aus dem ersten Verliebtsein Liebe wird, dann wird dadurch das ganze Leben erschüttert und auf neue Grundfesten gestellt. Liebe braucht Zeit, um zu wachsen. Liebe braucht Zeit, um das Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten zu integrieren, also an Erkenntnis und Erfahrung reicher zu werden. Ich denke bei diesem Bild gerne an meine Großeltern. Fast fünfzig Jahre durften sie Seite an Seite verbringen. Und bis zum Schluss waren sie einander – für mich als Jugendlichen damals nahezu kitschig – in Liebe zugetan. Aber sehr oft waren in ihren Erinnerungen auch die Schattenseiten des Lebens und der Liebe zueinander da. Und wenn sie davon erzählten, so nahm alles auch immer wieder eine gute Wendung, da sie immer wieder zueinander gefunden haben. Ihre Liebe hat vieles Gutes erlebt und vieles Schweres ausgehalten, aber sie ist dadurch auf gereift, an Erkenntnis und an Erfahrung.

Wenn sich nun der Monatsspruch an uns als Christinnen und Christen richtet, so stellt sich die Frage nach dem Gegenüber der Liebe, für die der Apostel betet. Auch dies ist eine Liebe, die das Leben verändert, erschüttert, dem Leben eine neue Richtung und eine neue Grundstimmung gibt. Es ist die Liebe, die wir durch Jesus Christus sein Leben und Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung erfahren. Die Begegnung mit Jesus Christus und seiner Liebe. Die Erkenntnis, dass Gott gnädig ist und alles getan hat für seine Menschen. Und die unermessliche Freude darüber, die den ganzen Brief des Apostels Paulus nach Philippi durchdringt. Ja, uns ist Gott begegnet auf einmalig schöne Weise. Wir sind frei, erlöst, getröstet.

Die Liebe zwischen Gott und uns verändert das Leben. Aber – und das ist Paulus bewusst – das Leben geht weiter. Es kommen glückliche Momente, wo wir Gott einfach vertrauen können und ganz aufgehen in diesem Vertrauen. Und es kommen Momente, die sind schwer und oft kaum zu ertragen, manchmal schmerzhaft und manchmal voll Enttäuschung. Da kommen dann Fragen hoch: Wo ist Gott? Wo ist seine Liebe?

Eine jede Liebesbeziehung braucht solche Momente, um an Erkenntnis und Erfahrung zu wachsen und Bestand zu bekommen. Momente des Glücks und den Blick auf den grandiosen Anfang zurück. Momente, in denen die Beziehung bedroht scheint und wir doch wieder den Weg hinaus finden, weil wir lieben und geliebt werden.

Das Gelingen und Wachsen einer Beziehung ist nicht einfach und auch nicht selbstverständlich. Da braucht es oft mehr als wir selbst tun können, sei es als Paar oder als gläubige Christinnen und Christen. Gebet und Gottes Segen können uns hier eine große Hilfe sein.

Daher tut es gut, wenn auch wir in das Gebet des Paulus einstimmen. Wenn wir Gott für unsere Beziehung zu ihm, aber auch für unsere Beziehungen untereinander bitten: „dass die Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“

 

Pfr. Lang

Monatsspruch Juni 2017

Apostelgeschichte 5, 29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

In diesem Bibelvers geht es um Gehorsam, in unserem Fall um den Gehorsam gegen Gott. Im Alltag gibt es meist immer jemanden, der Gehorsam einfordert. Schon als Kind müssen wir lernen, dass Eltern, Lehrer Gehorsam verlangen, denn ohne Disziplin würde Chaos herrschen. Aber Gehorsam muss erlernt und geübt werden und selten funktioniert das auf Anhieb.

Bild_Gehorsam
Viele Fragen tun sich in diesem Zusammenhang auf. Aber schauen wir in die Bibel. Wie viele Beispiele des Gehorsams gegenüber Gott finden wir im alten und neuen Testament. Ein Beispiel, das sicher viele kennen, ist, dass Gott von Abraham die Opferung seines Sohnes Isaak fordert. Wie würden wir heute reagieren? Würden wir unsere Kinder opfern, um Gott gefällig zu sein? Würden wir bis zum Äußersten gehen? Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr so leicht bereit, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Auch wenn die Bibel im Falle von Abraham eine schöne Lösung bietet. Noch bevor der Vater seinen Sohn tötet, schickt Gott dem gehorsamen Abraham einen Widder, den er anstelle des Sohnes opfern kann. Gott prüft Abraham nur bis zu einem gewissen Punkt, dann erweist er sich als gnädig.

Manchmal spricht man auch von blindem Gehorsam. Der ist dann nötig, wenn es um essentielle Dinge geht. Wenn die Situation es erfordert, dann muss gehandelt werden und der Auftrag, der Befehl darf im Augenblick nicht hinterfragt werden. Einrichtungen wie die Feuerwehr oder die Rettung funktionieren nach dem Prinzip. Einer schafft in der Gefahrensituation an, die anderen gehorchen. Damit diese Einsätze aber reibungslos ablaufen, muss geübt werden. Die einzelnen Handgriffe müssen im Extremfall sitzen, jeder Mann weiß, an welchem Posten er zu stehen hat und wer die Befehle erteilt. Nur so ist gewährleistet, dass der Einsatz gelingt.

Blinder Gehorsam beim Militär? Da werden wir schon etwas skeptischer. Muss der Soldat wirklich jeden Befehl ausführen? Darf er sich nicht auch von seinem Gewissen oder seiner Selbsteinschätzung der Situation leiten lassen?

Gehorsam müssen wir aber gegenüber dem eigenen Gewissen sein. Denn Gott spricht durch das Gewissen zu uns. Wenn es um Recht oder Unrecht geht, hilft uns die feine Stimme in unserem Inneren, das Richtige zu tun. Wenn wir nur auf sie hörten, dann müssten wir größtenteils den Willen Gottes tun. Blinder Gehorsam ohne Gewissen ist zwar in Diktaturen ein Weg, um heil aus allem herauszukommen, aber blinder und stummer Gehorsam ohne Gewissen ist nicht im Sinne Jesu. Wir müssen uns nur an das Dritte Reich erinnern. Wie viel Leid ist geschehen, weil Menschen in blindem Gehorsam all das befolgt haben, was ihnen ihre Vorgesetzten befohlen haben. Wie viele Menschen sind in den Konzentrationslagern umgekommen, wie viele Menschen haben sich Befehlen widersetzt und sind deshalb getötet worden? Menschen können sich bei ihren Forderungen an andere irren, ja sogar in völligem Widerspruch zu Gottes Willen und Gottes Forderungen stehen. Man muss eben Gott mehr gehorchen als den Menschen. Nicht umsonst denken wir heute noch an Menschen, die sich dem Wahnsinn des Dritten Reiches entgegen gestellt und damit den eigenen Tod in Kauf genommen haben. Ich möchte hier nur an Dietrich Bonhoeffer, die Geschwister Scholl und Franz Jägerstetter erinnern.

Auch heute halten Christen an Jesus fest - trotz terroristischer Bedrohungen wie durch die Milizen des Islamischen Staates. Christenverfolgung ist auch heute immer noch ein Thema, wenn ich nur an die Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten in jüngster Vergangenheit erinnern muss.

Ungezählte Christen haben ihr Leben gelassen, weil sie das nicht aufgeben wollten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Im neuen Testament ist es Jesus, der dem Vater gegenüber in allem gehorsam ist, auch wenn wir miterleben, wie schwer es ihm fallen kann. Er nimmt den Opfertod in Kauf, um mich und alle Menschen zu retten. Trotz mehrfacher Versuchungen durch den Teufel bleibt er der einmal gewählten Linie treu.

Jesus Christus war seinem Vater gegenüber gehorsam, aber wiederholt ungehorsam gegenüber den damaligen religiösen Autoritäten. Immer wieder stellt er sich gegen das Gesetz, das von Menschen und Priestern gemacht ist. Er heiligt den Sabbat nicht in der gewohnten Form. Er wendet sich den Ausgestoßenen, den Menschen am Rande der Gesellschaft zu. Er heilt Kranke, er nimmt sich der Kinder an, er behandelt Frauen als ebenbürtig. Aber wenn es um die Gebote Gottes geht, dann bleibt Jesus auf Linie. Sein Gehorsam ist allein beispielgebend für uns.

Aufgrund von Apostelgeschichte 5,29 kann Ungehorsam eine christliche Pflicht und Gehorsam eine Sünde sein. Unter bestimmten Umständen kann Gehorsam ein Verbrechen sein.

Im Wort „gehorchen“ steckt das Wort „horchen“. Wir müssen lernen, zuerst aufeinander zu „horchen“ und dann miteinander auf Gott zu „horchen“. Horchen ist intensives Hinhören und geht nicht zufällig. Nur im gegenseitigen Aufeinander-Hören kann ein sinnvolles Ganzes entstehen.

Über allem aber steht das eigene Gewissen, dem zu allererst zu gehorchen ist. Das ist ein klarer Aufruf zum Ungehorsam, wenn dieser vom Gewissen verlangt wird. Aber ein Aufruf zum Ungehorsam kann niemals ein Aufruf zum Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten sein, sehr wohl aber gegenüber Forderungen, die rein menschlich sind und nicht im Wort Gottes begründet sind. Daher kann ein solcher Aufruf zum Ungehorsam zutiefst christlich und im Willen Gottes begründet sein.

Es ist im Alltag nicht immer leicht, sich zu Jesus und zu Gott zu bekennen. Bequemlichkeit oder die Furcht vor dem Unverständnis der Mitmenschen machen Christen manchmal schweigsam. Wer sich nicht der Meinung der Bekannten und Freunde beugt, der riskiert es, verlacht oder verspottet oder gar ausgegrenzt zu werden. Trotzdem soll uns dieser Vers aus der Apostelgeschichte stets vor Augen sein: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Lektorin Gertrud Time

Monatsspruch Mai 2017

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kol 4,6)

Auf den ersten Blick eine Binsenweisheit. Wir sollen freundlich reden und „würzig“. Mehr bietet der Monatsspruch nicht. So gesehen könnte der Monatsspruch auch allgemeinen Regeln für den Umgang mit Menschen entstammen. Und mehr will uns der Verfasser des Kolosserbriefes hier auch nicht ans Herz legen.Bild_Salz

Ein Blick auf den dem Monatsspruch vorhergehenden Vers zeigt uns aber, dass hier eine besondere Stoßrichtung verfolgt wird. Es geht um die „Außenstehenden“, also diejenigen, die keine Christen sind. Ihnen gegenüber soll man freundlich und mit entsprechender Würze reden. Von der Innenperspektive ist da eigentlich keine Rede. Vermutlich geht der Schreiber davon aus, dass sich das unter Christinnen und Christen ohnehin erübrigt.

Ach, was wäre das für eine schöne Welt, wenn unter Christinnen und Christen die Rede stets freundlich und gehaltvoll wäre. Nun, es ist sicherlich keine große Überraschung, wenn ich behaupte, dass dieser Rat auch für uns untereinander ernst genommen werden sollte. Wo es menschelt, da können auch schon mal schnell harte Worte fallen. Wo es menschelt, da kann auch viel leeres, gehaltloses Geschwätz entstehen. Doch darum geht es dem Kolosserbrief gar nicht. Muss es eigentlich auch nicht. Denn unser Herr Jesus Christus selbst hat uns mehr als genug Weisungen gegeben, dass wir uns mit der Liebe, die er für uns hat, auch einander begegnen sollen. Und manchmal oder eigentlich sehr oft erlebe ich es auch genauso, wie Jesus es von will: ein geschwisterlicher, liebevoller, sehr wertschätzender Umgang.

Damit sollen wir uns aber nicht zufrieden geben. Erstens soll es unser Ziel sein, immer so miteinander umzugehen. Und zweitens – darauf will der Kolosserbrief hinaus – sollen wir den „Außenstehenden“ ebenso begegnen. In der Zeit der ersten Christen war dies von enormer Wichtigkeit. Denn die Jüngerinnen und Jünger Jesu wurden an ihrer Botschaft gemessen und die war von einem anderen Geist beseelt, der sich in allem zeigen soll. Die Erlösung, die uns Jesus anbietet und die wir in unserer Taufe angenommen haben, soll uns schon zu einem neuen Geschöpf machen, das eben anderen Regeln folgt, das sich anders verhält. Nicht nur an der Botschaft, sondern auch an unserem Verhalten sollen Christen erkannt werden.

Wir leben in einer Zeit, in der die Zahl der Außenstehenden wieder mehr wird. Daher sollten wir dieses Gebot der ersten Stunde auch wieder ernst nehmen. Der auferstandene Herr, Jesus Christus, hat uns einen Auftrag gegeben. Nämlich, dass wir aller Welt von ihm Zeugnis ablegen sollen und sie für ihn gewinnen sollen. Dafür schenkt er uns auch seinen Geist.

Das Zeugnis von Jesus Christus besteht aber nicht nur aus Worten, die oft leer, also salzlos wirken können, sondern aus Taten, aus unserem Verhalten. Wir sollen also in die Welt hinausgehen und zeigen, dass unser Leben schon ein anderes, ein von Gott angenommenes, geliebtes und damit auch „besseres“ ist. Es fällt schwer, doch Gott lässt uns dabei nicht allein.

„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ D.h. übersetzt nicht viel mehr und nicht viel weniger als: Seid glaubwürdige Jüngerinnen und Jünger Jesu Christ – in Wort und Tat.

Pfr. Markus Lang

Monatsspruch April 2017

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lk 24,5-6)

Der Monat April ist im kirchlichen Leben ganz bestimmt durch Ostern. Und so verwundert es auch nicht weiter, dass der Monatsspruch den Ostergeschichten entstammt.
Die Frauen rund um Jesus gehen zum Grab, um den Leichnam mit wertvollen Ölen zu salben. Doch das Grab ist leer. Zwei Engel begegnen ihnen und weisen sie recht schroff zurecht: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“Bild: Leben im Kreuz
Was macht ihr überhaupt hier? ist die Frage, der sich die Frauen stellen müssen. Die Antwort ist klar. Sie suchen Jesus. Sie suchen den Menschen, der ihnen so viel bedeutet hat. Sie suchen seine sterblichen Überreste, um ihm eine letzte Ehre zu erweisen. Ihr Vorhaben ehrt sie. Und doch…
Und doch ist es eigentlich grundlegend falsch. Es ist zwar richtig, dass sie Jesus suchen, aber dort wo sie suchen, ist grundfalsch. Wir alle kennen das Kindersuchspiel, bei dem es entweder wärmer oder kälter wird, je nachdem wie nahe man dem Gesuchten ist. Und dort, wo die Frauen suchen, ist es ganz kalt.
Die Kälte des Todes geht vom leeren Grab aus. Die Kälte des Todes, die manche am Karfreitag empfinden, wenn wir daran denken, dass sich Gott selbst in seinem Sohn einem unvorstellbar grausamen Tod für uns gestellt hat.
Viele Menschen gehen davon aus, dass der Karfreitag der höchste Feiertag von uns Evangelischen wäre. Nun auch da ist es ganz kalt. Zugegeben ohne die tiefe Todeskälte von Karfreitag kein Ostern. Aber wenn es nur um den Tod ginge, dann würde es uns wie den Frauen am Grab gehen. Da wäre es bei der Suche nach Gott, nach Jesus Christus ganz kalt – grabeskalt.
Dort, am und im Grab, können sie und auch wir Jesus nicht finden. Warm wird es auf der Suche erst, wenn wir ihn bei den Lebenden suchen. Denn unser Gott ist kein Gott des Todes, sondern ein Gott des Lebens. Die Todeskälte von Karfreitag wird durch die Herzenswärme Gottes am Ostermorgen überwunden.
„Sucht Jesus bei den Lebenden“. Dort gehört er hin. Er ist bei uns und nicht irgendwo in der dunklen Tiefe des Todes verschwunden. Er begegnet uns im Nächsten, in der Gemeinschaft, die wir in seinem Namen feiern. Und er ist auch im Leben nach dem Tod. Denn der kurze Augenblick des Todes ist nur ein kleiner Kälteeinbruch in der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Denn diese Geschichte ist eine Liebes- und Lebensgeschichte Gottes mit uns. In all seiner Liebe zu uns hat er sich für uns gegeben, dass wir leben, hier und jetzt und auch in der Zukunft nach dem Tod.
„Sucht Jesus bei den Lebenden“. Diese Botschaft gilt auch uns. Unser lebendiger Gott ist ein Gott der Zukunft. Lasst uns nicht in der Kälte des Todes verweilen, sondern die Wärme seines Lebens, seiner Auferstehung für und mit uns suchen.

Pfr. Markus Lang

Monatsspruch März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. (3. Mos 19,32)

Die gedankliche Verbindung zum vierten Gebot (Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden) drängt sich einem fast auf. Die Aufforderung ist klar, wir sollen die „Alten“ ehren. Doch wie so oft bei Geboten ist dies im Einzelfall gar nicht so einfach.


Bild_Alte_DameWir leben in einer Gesellschaft, die Jugend bzw. Jugendlichkeit zum Ideal auserkoren hat. Auch wenn die Entwicklung der Alterspyramide ganz klar zeigt, dass wir immer älter werden und dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung als „alt“ bezeichnet werden kann, entspricht das nicht der öffentlichen Wahrnehmung. Statt Ehrung des Alterns erleben wir einen Jugendlichkeitskult. Von Ehren der „Alten“ bleibt da oft keine Spur.

Es mag zudem im Einzelnen auch nicht leicht fallen, die „Alten“ zu ehren. Da mögen die einen einwenden, dass Altwerden ja keine Leistung ist. Wiederum andere mögen sich beschweren, dass die „Alten“ ja oft recht schwierig sind. Und wenn dann die Mühen und Leiden des Alters so richtig zuschlagen, dann kommt es vor, dass viele Zeitgenossen betroffen den Blick abwenden. Nichtsdestotrotz sind die „Alten“ da. Und das ist gut so.

Wir sagen heute kaum noch, dass wir jemanden ehren. Aber lassen Sie es mich anders ausdrücken: Wir sollen die „Alten“ würdevoll behandeln. Denn ungeachtet aller Dinge, die man meint gegen das Altern und die „Alten“ einwenden zu müssen, so steht diesen Menschen mindestens genauso viel Würde zu wie allen anderen. Und vielleicht haben sie sogar noch ein bisschen mehr Recht darauf. Ein langes Leben ist voller Erfahrungen mit den Menschen, mit der Welt, mit Gott und mit sich selbst – jedes für sich einzigartig. Da ist sehr viel da, wovor wir Respekt haben sollten, weswegen wir die Würde der anderen erst recht wahren sollten.

In der Zeit des Alten Testaments war die Achtung der „Alten“ ein wichtiges Thema, fehlte doch jedwede Form von organisierter Altersversorgung. Im Europa von heute haben wir eine mehr oder minder gute Altersversorgung. Da fallen die Notwendigkeiten des Alten Testaments eigentlich weg. Heute scheinen wir uns eigentlich sogar recht wenig um die „Alten“ kümmern zu müssen.

Wir sind aber in unserer heutigen Zeit mehr denn je gefordert, die Würde des Alters zu wahren. Mit dem hohen Alter, das wir Menschen heute erreichen können, kommen oft Einsamkeit und Hilfsbedürftigkeit. Wie leicht kann es da passieren, dass einem Menschen alle Würde genommen wird. Und wie wichtig ist es daher, diesem Menschen mit besonderer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu begegnen.

Wir dürfen aber keinesfalls vergessen, dass unser Gegenüber auch in Alter und Schwäche ein von Gott geliebtes Geschöpf ist, ebenso wie wir. Da gibt es keinen Unterschied. Und wo wir doch Unterschiede sehen, sind wir dazu angehalten, sie aus der Welt zu schaffen. Daher ist auch das Gebot, die „Alten“ zu ehren, eng mit dem Gebot, Gott zu fürchten, verbunden. Denn die Ehrfurcht vor Gott ist es – also im Grunde genommen unser Glaube, die uns auch dazu anhalten soll, zu sein wie er: voll Liebe für die Menschen – ohne Unterschied. Erst recht, wenn Menschen nicht mehr unserem Jugendideal entsprechen. Erst recht, wenn es für sie und mit ihnen schwer wird. Erst recht, wenn sie Hilfe brauchen.

Jedem Menschen ist von Gott in seiner unerschöpflichen Liebe eine einzigartige Würde geschenkt. An uns liegt es diese auch zu wahren – besonders, indem wir die „Alten“ ehren.

 

Pfr. Markus Lang

Gedanken zu den Monatsprüchen

Dezember 2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78-79)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

November 2017

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hes. 37,27)

Gedanken dazu von Lektor Helmut Pichlmann

Oktober 2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lk 15/10)

Gedanken dazu von Lektor Harry Muerth

September 2017

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lk 13,30 (L)

Gedanken dazu von Lektorin Gertrud Time

August 2017

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apg 26,22 (L)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Juli 2017

Philipper 1,19: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Juni 2017

Apostelgeschichte 5, 29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Gedanken dazu von Lektorin Gertrud Time

Mai 2017 Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kol 4,6)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

April 2017

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
(Lk 24,5-6)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. (3Mos 19,32)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

 

Glaubensbekenntnis nach Dietrich Bonhoeffer

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,

wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst,

sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,

und dass es Gott nicht schwerer ist,

mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf

aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer, Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte, in: Widerstand und Ergebung, Prolog

Segen

Den nachfolgenden Segen hat Elke Lehner bei der Adventfeier des Bildungswerkes (am 30.11.2013) vorgelesen:

Der Herr segne dich.

Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Arme mit Kraft.

Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen.

Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen.

Er erfülle deinen Mund mit Jubel und ein Herz mit Freude.

Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste:

Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.

Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

Es segne dich der Herr.

(aus Afrika)

Novemberpsalm von H. D. Hüsch

Ich male mir mein Leben, Herr,
Nach deinen Breitengraden.
Du lässt mich ganz leicht schweben,
Gleich wie am seidnen Faden,
Wohl über Sand und Meere.
Ich sehe Prunk und Pracht.
Ich sehe Lust und Leere,
Die Not und auch die Nacht.
Dein Blick tut mir genüge,
Du weißt, was Elend ist.
Ich tröste und ich füge mich,
Mein Herre Jesus Christ.
Am Ende lebt die Liebe,
Gar einzig und allein,
Drum komm und sprich und übe,
Mit uns das Glücklich-Sein.
Wir brauchen dein Erbarmen
Im finstern Weltgeschehn,
Bis wir in deinen Armen,
Uns alle wiedersehn.

(vorgetragen von Pfr. Martin Hofstätter anlässlich des Kantatengottesdienstes)

Ich hoffe, dieser Text gefällt anderen genauso gut wie mir. G. Time