zum Nachdenken

In dieser Rubrik möchten wir verschiedene Anregungen geben, die zum Nachdenken über religiöse Fragen des Lebens einladen.

In weiteren Menüpunkten auf der Linken Seite finden Sie zusätzlich Predigten und Losungen.

Monatspruch September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3,11 - Luther 2017)

Monatsspruch September 2018

Alles hat seine Zeit - auch der Wunsch des Menschen, nach dem zu fragen, was ewig ist und ewig bleibt!

Ewigkeit im Herzen  - das wird niemand auf diesem Globus in Frage stellen, der ernstlich nachdenkt! Religiosität und Spiritualität in allen Kulturen auf unserer Welt sind wohl der beste Beweis dafür!

Ewigkeit im Herzen - Vergänglichkeit als tagtägliche Realität!
Ein Spannungsfeld, auf das sich wahrscheinlich alles, was unser Leben bestimmt, zurückführen lässt:

Die Frage nach dem Sinn; der Versuch, etwas Bleibendes zu schaffen (Kultur); die Unruhe und Getriebenheit; die Angst, zu kurz zu kommen; die Zeit, die wie Sand durch die Finger rinnt; die rücksichtlose Gier nach Leben und die damit verbundene Ausbeutung und Zerstörung von Mensch und Natur…(ließe sich noch beliebig fortsetzen)

Ewigkeit im Herzen – wir können sie weder ergründen noch verstehen und deshalb auch so schwer damit umgehen!
Wir sehnen uns (zurück?) nach dem ewigen Leben, können uns aber nicht vorstellen, dass etwas ohne Anfang und Ende besteht. Ja ehrlich gesagt, es kann sogar für uns bedrohlich sein, da wir ja die Zeit chronologisch (mit Ablaufdatum) oder in Zyklen (immer wiederkehrenden Kreisläufen) erleben. Gebunden an Raum und Zeit müssen wir feststellen, dass der Begriff Ewigkeit unser dreidimensionales Denken bei Weitem übersteigt!

Ewigkeit im Herzen – geschaffen für die Ewigkeit, jedoch hineingepresst in ein damit verglichen verschwindend kurzes Leben, selbst wenn die Lebenserwartung ansteigt! Was für ein Missverhältnis – ich möchte fast meinen: was für ein Konstruktionsfehler!

Daraus folgt  ein unheimlicher Hunger nach LEBEN und eine kaum stillbare SEHNSUCHT nach Unvergänglichkeit, eben der Wunsch nach Ewigkeit!

Ich habe über diesen Vers schon vor 6 Jahren intensiv nachgedacht und dazu ein Lied mit dem Titel SEHNSUCHT geschrieben:

I hab Duast in meinem Herzen, I hab Hunga in da Soi!
Kann di Leere net vaschmerzen, trett nua auf da selbn Stoi
I hab Fernweh nach da oben, i hab Hamweh nach dein Reich!
Alle Grenzn san vaschobn, denn wer sonst macht alles neich?

Sie ziagt mi hin zu Dia, die Sehnsucht tief in mia,
S’Verlangen, dass was bleibt, net nua Vagänglichkeit
Sie ziagt mi hin zu Dia, die Sehnsucht tiaf in mia,
S’Verlangen nach mehr Zeit, der Wunsch nach Ewigkeit!

Die Sehnsucht nach der Ewigkeit kann daher auch nur bei dem gestillt werden, der sie in unser Herz gelegt hat, bei dem, der da war, der da ist, und der da kommt: Unser Herr Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit! Der, der uns Leben verspricht, hier und heute, aber auch über den Tod hinaus! Er, der die Zeit in seinen Händen hält!

Er hat laut Paulus „dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium!“ (2. Tim. 1,10)
In der Offenbarung (10,6) lesen wir, dass selbst die Zeit ein Ablaufdatum hat: „Es soll hinfort keine Zeit mehr sein“!

Mein Resümee:
Gott hat alles schön und gut gemacht und hat in Christus alles getan, um unsere Sehnsucht nach Ewigkeit zu stillen! In Jesus sind wir erlöst vom Fluch der Vergänglichkeit und der Knechtschaft des Todes! (Hebr. 2,15)
Er hat den „Konstruktionsfehler“ ein für alle Mal korrigiert!

Alles hat seine Zeit - Neben Chronos und Zyklus gibt es im griechischen noch ein drittes Wort für die Zeit:
Kairos – laut Wikipedia „ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann.“

Vielleicht ist gerade jetzt dieser günstige Moment, dieser Kairos, um diese lebenswichtige Entscheidung für den „Herrn des Lebens“ zu treffen, zu erneuern oder zu bekräftigen!
Jesus verspricht in Joh. 11,25: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“

Helmut Pichlmann

P.S: das Lied „SEHNSUCHT“ gibt es ab 10.11.18 auf der CD „Ende nie“ von JuHe & Freind

Monatspruch August 2018

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. - 1. Joh. 4,16

Monatsspruch August 2018Gott ist die Liebe!

Die Eigenschaften von Gott und Liebe sind ident und nachzulesen in 1. Kor. 13 (das Hohelied der Liebe), zitiert aus „Basisbibel“

  • Die Liebe ist geduldig.
  • Gütig ist sie, die Liebe.
  • Die Liebe ereifert sich nicht.
  • Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf.
  • Sie ist nicht taktlos.
  • Sie sucht nicht den eigenen Vorteil.
  • Sie ist nicht reizbar.
  • Sie trägt das Böse nicht nach.
  • Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht.
  • Aber sie freut sich, wenn die Wahrheit siegt.
  • Sie erträgt alles.
  • Sie glaubt alles.
  • Sie hofft alles.
  • Sie hält allem stand.
  • Die Liebe hört niemals auf.

 

Diese Aufzählung ist umwerfend.

Liebenslieder und Liebesschwüre klingen oft übertrieben, schmalzig, teilweise unglaubwürdig. Jedoch alle Worte, mit denen Liebe beschrieben, besungen, geseufzt, gemalt oder anders dargestellt wird, erreichen nur peripher die eigentliche Fülle, die sie tatsächlich enthält. Nämlich die Liebe, die gleichzeitig Gott selbst ist, vollkommen und erfüllend. Allerdings, kleine Teile dieser Eigenschaften, portionsweise oder in kleinen Prozentsätzen gemessen, erfüllen wir Menschen ebenfalls. Das ist wunderbar und macht unser menschliches Dasein sinnerfüllend schön.

Ich lese aus dem Monatsspruch heraus, dass der Glaubende sich voll und ganz in den Einfluss dieser Liebe begibt. Ja dass Christen erfüllt werden von Gott und Seiner Liebe. Liebe – wie in 1. Kor. 13 beschrieben – möchte sich manifestieren im Leben des glaubenden Menschen, also in dir und mir. In kleinen Teilen wohl, stückweise, vielleicht unbeholfen.

Unser menschliches Bemühen kann das nicht bewirken. Liebe kommt geschenkt ins Herz und möchte sich entwickeln. Sie kann nicht im Herzen bleiben, sie muss sich ausbreiten auf die Umwelt des Liebenden.

Beispielsweise verbreiten Verliebte eine schöne, leuchtende, freudvolle Atmosphäre. Ohne gezielte Aktivität, ohne Anstrengung, einfach, weil Liebe vorhanden ist. In Gemeinschaften, in Häuser und Familien sendet dort gelebte Liebe positive Impulse aus, die auf Außenstehende wirkt. Liebe wird bemerkt und möchte jeden mit einbeziehen.

Liebe ist tatsächlich ein großes Wort. So groß wie Gott selbst.

Gottes Liebe hat ja nicht einmal an der eigenen Aufopferung für die geliebten Geschöpfe einen Rückzieher gemacht. Ostern ist doch die handfeste Liebeserklärung an uns, an seine Ebenbilder. Welch eine Liebe kommt uns da entgegen. Geschenkt. Überfließend reichlich.

Gott ist die Liebe … – ja, ja, und nochmals JA!

… und wer in der Liebe bleibt … – das sind Menschen, die die österliche Liebestat nicht nur glauben,

     sondern für sich dankbar in Anspruch nehmen:

     Christus ist auferstanden.

     Sünde ist vergeben.

     Neues Leben in der Liebe kann beginnen.

... der bleibt in Gott und Gott in ihm – Zusagen über Zusagen.

     Herrliche offene Arme unseres Gottes wollen uns helfen, trösten segnen.

     Mit Gottes Geist im menschlichen Leben ist die „Versorgung“ mit

Glaube, Hoffnung und Liebe gesichert.

     Lied 116:  Lasst uns lobsingen vor unserem Gott:

     Christ ist erstanden, Halleluja.

     Sünd ist vergeben, Halleluja,

     Jesus bringt Leben, Halleluja.

… und vielleicht gelingt es ja doch, dass das Liebensgeschenk Gottes durch unser persönliches Sein ein kleines Ventil oder Fenster nach außen erhält. Gott segne uns dazu.

 

Lektor Harry Muerth

Monatspruch Juli 2018

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! - Hosea 10,12

Monatsspruch Juli 2018
Gerechtigkeit – Ein Dauerbrenner. Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit, das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit ist ein Thema, das es zu jeder Zeit und an jedem Ort in der Menschheitsgeschichte gab. Und auch heute geht es allerorts um Mehr Gerechtigkeit: Soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Schöpfungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Steuergerechtigkeit und viele, viele mehr. Wir wollen, dass es auf dieser Welt gerechter zugeht und wünschen uns mehr Gerechtigkeit. Daher ist die Botschaft der Propheten immer noch brandaktuell.

Aber was ist eigentlich gerecht? Gerechtigkeit liegt im Leben sehr oft im Auge des Betrachters. Fühlen sich die einen gerecht entlohnt, so gibt es genug andere, die meinen, die Höhe des Lohnes wäre ungerecht. Die Maßstäbe können sich sehr stark unterscheiden. So erlebe ich mit meinen Schülern, dass anscheinend objektive Maßstäbe der Gerechtigkeit wie in unserem Notensystem sehr schnell als ungerecht empfunden werden können. Noch viel mehr kann in diesem wie in anderen Bereichen das Gegenteil von Gerechtigkeit nicht Ungerechtigkeit, sondern eben Neid sein. Ein anderer/eine andere wurde eigentlich gerecht behandelt, aber ich selbst würde es auch gern so erleben, auch wenn ich nicht das Anrecht darauf habe. An diesen kleinen Gedanken erkennen wir schon, dass Gerechtigkeit ein allumfassendes Thema ist und Ungerechtigkeit (zumindest subjektiv empfunden) überall in unserem Leben zu finden ist.

Von Gott durch den Mund seines Boten Hosea werden wir aufgefordert Gerechtigkeit auszusäen. Nun geht es hierbei aber nicht um Gerechtigkeit nach unseren oft sehr einseitigen und subjektiven Maßstäben, sondern nach Gottes Plan. Als Antwort auf die Frage, wie diese Gerechtigkeit auszusehen hat, hat uns Gott ein Handbuch seiner Gerechtigkeit anvertraut: Nämlich die Bibel. Von Anfang an ist es Gottes Wunsch und zugleich Auftrag für uns, seiner Gerechtigkeit in der Welt Raum zu geben. Nur einige Beispiele seien hierfür in Erinnerung gerufen: die Liebe zum Nächsten wie zum Fremden (3. Mose 19,33-34), den Schutz der Tiere wie der Natur (5. Mose 22,6-7), die Solidarität mit den Armen und Schwachen (Sprüche 14,31), der Einsatz für Frieden statt Segnung der Waffen (Ps 46,10), der Schutz von Frauen (und Männern) vor körperlicher Gewalt und seelischer Misshandlung (2. Samuel 13,1-20), oder ein respekt- und würdevoller Umgang mit älteren Menschen (3. Mose 19,32). Ganz praktisch und konkret offenbart uns Gott seine Gerechtigkeit, die wir in der Welt verbreiten sollen, nicht nur in gewohnten Bahnen, sondern eben auf neuen Feldern (Pflüget ein Neues).

Wer eine Saat ausbringt, muss die Saat pflegen und hoffentlich auch ernten. Wenn wir die gerechte Ernte einfahren, dann geht es auch schon um’s Richten. Und da ist die Gefahr groß, dass die Ernte in Ungerechtigkeit ausartet. Daher soll das Maß der Ernte die Liebe sein. In dieser Aufforderung steckt ein Gedanke, der sich auch schon im 3. Buch Mose findet (20,26): Gott spricht „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ Gott selbst, in seiner Gerechtigkeit und erst recht in seiner Liebe, soll unser Vorbild sein. Denn wenn Gott die Ernte seiner Gerechtigkeit einbringt, dann tut er dies im Gericht. Und würde er bloß rechnerisch gerecht urteilen, so würde es für die meisten von uns und auch für mich recht düster aussehen. Doch Gott ist anders als wir Menschen. Er erntet, er richtet nach dem Maße der Liebe. Er lässt Gnade vor Recht ergehen – in seinem Sohn, Jesus Christus. Und daran sollen auch wir uns halten. Nicht nach einer simplen buchhalterischen Gerechtigkeit urteilen, sondern in Liebe den anderen annehmen. In Liebe das annehmen, was unser Gegenüber aus der Saat gemacht hat. Weil Gott ein gnädiger und vergebender Gott ist, sollen wir auch gnädig und vergebend sein.

Bis er kommt und seine Gerechtigkeit nicht mehr bloß Saat ist, sondern ein Regen, der die ganze Welt nährt.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. – Hebr 13,2

Monatsspruch Jun 2018
Der Hebräerbrief gibt uns für den Monat Juni eine recht praktische Anweisung: Seid gastfreundlich. Nun die meisten von uns werden behaupten können, sie seien recht gastfreundlich. Nur zu gerne laden wir Menschen zu uns ein, bewirten und versuchen unseren Gästen eine gute Zeit zu bereiten. Das scheint nun wirklich recht einfach zu sein. Und doch geht Gastfreundschaft hier ein bisserl weiter. Bei Gastfreundschaft denken wir kurz und gut an Menschen, die wir – oft von langer Hand vorbereitet – eingeladen haben.

Für die Menschen der Bibel war die Gastfreundschaft aber erheblich weiter gefasst. Schon im Alten Testament war es eine der vornehmsten Pflichten der Israeliten, den Fremden aufzunehmen und gut zu behandeln – mit der simplen Erklärung, dass man selbst einst in Ägypten Fremder war. So war es kulturell geboten, Fremde (ungeladene Gäste) gastfreundlich zu behandeln – ja ihnen sogar das beste Stück des eigenen, oft kargen Essens zu kredenzen. Bezeichnend hierfür ist das Wort, das sich für die Gastfreundschaft im griechischen Originaltext des Hebräerbriefes dafür findet: philoxenia, was so viel heißt wie Fremdenliebe.

Die Gastfreundschaft selbst war dann auch der Nährboden, auf dem sich das Christentum entwickelte. Als Jesus von Ort zu Ort zog und in Häusern lehrte und heilte, so konnte er dies tun, weil er in aller Gastfreundschaft aufgenommen wurde. Die Apostel, die ersten Missionare des Christentums, waren auf die Gastfreundschaft angewiesen, als sie von Ort zu Ort zogen, um die Botschaft des auferstandenen Erlösers unter die Menschen brachten. Und ihre Besuche hatten solche Wirkung, dass Menschen auch für andere ihre Häuser öffneten. So bildeten sich nämlich die ersten Gemeinden, weil jemand im Namen Jesu Christi sein Haus für andere öffnete. Wir sehen also: Gastfreundschaft ist eine der (ur)christlichsten Tugenden schlechthin.

Nichtsdestotrotz ermahnt uns bereits der Hebräerbrief die Fremdenliebe nicht zu vergessen, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Auch davon weiß die Bibel viel zu erzählen, dass Engel unwissentlich als Gäste aufgenommen wurden (so z.B.: Abraham 1Mos 18). Engel sind Boten Gottes. Diese stellen wir uns oft als übernatürliche Wesen vor, aber das muss gar nicht sein. Die frühen Christen haben oft Engel aufgenommen, Boten des Allerhöchsten, Botschafter Jesu Christi: nämlich die Apostel und die vielen Missionare. Auch die waren Engel, haben sie doch das Leben derer, die sie aufnahmen, nachhaltig verändert. Und auch wir kennen Menschen, die plötzlich, ungeladen und daher auch ungebeten auftauchen, und von denen wir denken oder auch sagen: dich schickt der Himmel. Die Türen für unerwartete Gäste zu öffnen, kann ganz unerwartet Wunderbares in unserem Leben bewirken.

Und doch müssen wir uns die Frage gefallen lassen, wie es denn um unsere Gastfreundschaft bestellt ist. In Zeiten von unter allen Umständen zu schützender Privatsphäre, hermetisch verschlossenen Eigenheimen, der Angst vor Dieben und prinzipiell Fremden und auch in Zeiten der verschlossenen Grenzen drängt sich mir doch Zweifel an der (ur)christlichen Tugend der Gastfreundschaft auf. Kann ich es denn wirklich wagen, vorbehaltlos gastfreundlich zu sein? Diese Frage muss sich wohl jede und jeder von uns immer wieder stellen. Vielleicht hilft hierbei der Gedanke, dass selbst wir nur Gäste auf Erden sind, Gäste des einen großen und unermesslich gastfreundlichen Hausherren, unseres Gottes. Wenn er uns vorbehaltlos annimmt und einst auch in seinem Haus endgültig aufnimmt, dann können wir vielleicht auch unsere Türen einen Spalt weit öffnen.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. – Gastfreundschaft kann im Namen unseres Herrn Wunder bewirken, so wie er selbst zum Wunder für uns wurde. Mit Worten eines Kirchenliedes von Rolf Schweizer (1982):

  1. Damit aus Fremden Freunde werden,
    kommst du als Mensch in unsre Zeit:
    Du gehst den Weg durch Leid und Armut,
    damit die Botschaft uns erreicht.

  2. Damit aus Fremden Freunde werden,
    gehst du als Bruder durch das Land,
    begegnest uns in allen Rassen
    und machst die Menschlichkeit bekannt.

  3. Damit aus Fremden Freunde werden,
    lebst du die Liebe bis zum Tod.
    Du zeigst den neuen Weg des Friedens,
    das sei uns Auftrag und Gebot.

  4. Damit aus Fremden Freunde werden,
    schenkst du uns Lebensglück und Brot:
    Du willst damit den Menschen helfen,
    retten aus aller Hungersnot.

  5. Damit aus Fremden Freunde werden,
    vertraust du uns die Schöpfung an;
    du formst den Menschen dir zum Bilde,
    mit dir er sie bewahren kann.

  6. Damit aus Fremden Freunde werden,
    gibst du uns deinen Heilgen Geist,
    der, trotz der vielen Völker Grenzen,
    den Weg zur Einigkeit uns weist.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch Mai 2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. - Hebr 11,1

Monatsspruch Mai18
Auf den ersten Blick ist der aktuelle Monatsspruch so ein frommer No-na-net-Spruch. Selbstverständlich ist Glaube eine Zuversicht bzw. eine Hoffnung. Und doch klingt dann eine heute recht beliebte Aussage mit: „Glauben ist nicht Wissen.“ Denn wenn wir etwas nicht sehen, nicht wirklich wissen, so tun wir Menschen von heute uns doch recht schwer.

Andererseits ist da so vieles, das wir nicht sehen und von dessen Existenz wir doch überzeugt sind. Wir glauben den unterschiedlichsten Behauptungen, die wir in einer immer komplexeren Welt einfach nur mehr glauben können, weil sich vieles unseren Verstehensmöglichkeiten entzieht. Das ist dann eine Art Glauben, die der ursprünglichen Bedeutung im hebräischen Text des Alten Testaments sehr nahe kommt: nämlich Vertrauen, Vertrauen, auf das was ein anderer sagt. Glauben heißt vertrauen.

Unser Glauben, eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, ist ein tiefes Vertrauen, sozusagen ein Grundvertrauen, das trägt. Wir glauben an Gott, seinen eingeborenen Sohn und auch den Heiligen Geist. Das heißt wir vertrauen auf den dreieinigen Gott. Wir glauben nicht bloß an seine Existenz, sondern wir glauben, dass wir in einer Beziehung zu Gott leben. Und eine Beziehung steht und fällt mit dem Vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass Gott da ist, dass er in unserem Leben ist, dass er uns liebt, dass er uns vergibt, dass er unser ganzes Leben nicht von der Seite weicht. Wir vertrauen auf das, was er uns sagt: seine Verheißungen an uns. In Gott haben wir einen Partner, auf den wir immer vertrauen dürfen.

In guten Zeiten fällt uns das Vertrauen eigentlich recht leicht. Da können wir dann unversehens von fester Zuversicht sprechen. Doch auch die schweren Zeiten gehören dazu. Und dann wird unser (Gott)Vertrauen oft schwer geprüft. In Momenten, in denen wir dringend Vertrauen bräuchten, ist oft kaum mehr etwas davon vorhanden. In diesen Momenten wende ich mich gerne an die Heilige Schrift, Gottes Wort selbst, und finde mich in den Menschen der Bibel wieder. Da treffe ich dann auf lang vergangene Geschwister im Glauben, die in schweren Situationen nicht zweifelten, sondern die Herausforderungen des Lebens in tiefem, ja eigentlich sogar blindem, also nicht sehendem Vertrauen auf Gott in Angriff genommen haben. Und Gott hat ihr Vertrauen nie enttäuscht.

Sie haben auf den großen, allmächtigen, unsichtbaren, aber eben auch liebenden Gott blind vertraut und ihr Leben in seine Hand gelegt. Die Zukunft war ihnen ein unbekanntes, weites Land. Sie konnten die Zukunft nicht sehen, sie konnten Gottes Plan und seine helfende Hand nicht sehen, aber das führte keineswegs ins Zweifeln, sondern ihr Glaube war ein tiefes Vertrauen und eben kein Zweifeln, eine untrügerische Hoffnung.

Das ist nämlich das Geschenk unseres Glaubens, auf jemanden zu vertrauen, der immer einen Plan mit uns hat und es immer gut mit uns meint: Unser Gott. Wir sehen nicht, aber wir dürfen ihn spüren und ihm (blind) vertrauen.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch April 2018

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ – Joh 20,21

Monatsspruch April18
Letzten Monat hieß es: „Es ist vollbracht!“ Jesu letzte Worte am Kreuz im Johannesevangelium. Das war Karfreitag. Wir Christinnen und Christen wissen aber, dass am Kreuz der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern er drei Tage danach zu Ostern sogar überwunden ist.

Der Monatsspruch führt uns ein klein wenig weiter. Jesus war auferstanden. Seine Jünger waren teilweise schon Zeugen des wohl größten aller Wunder geworden. Aber als „Spießgesellen“ eines verurteilten Verbrechers, der öffentlich gekreuzigt wurde, lebten sie in Angst. „Nun gut“, werden sie gedacht haben, „Jesus ist auferstanden, aber wir leben immer noch in Angst, was soll nun aus uns werden, wie soll die Sache Jesu nun weitergehen.“

Und genau in dieser Situation erscheint er den verängstigten, sich versteckenden Jüngern erneut. Und er spricht „Friede sei mit euch“. In das innere Chaos und die äußere Angst hinein spricht er ihnen zu: „Friede sei mit euch.“ Das ist der alte Gruß: „Schalom“. Dieser Gruß ist ein Wunsch, dessen Erfüllung an und für sich außerhalb der Möglichkeiten des Grüßenden liegt. Hier wird Frieden gewünscht, ein umfassender Frieden, der für Unversehrtheit, Gesundheit, Sicherheit und Ruhe steht. Und hiermit rückt Gott in den Mittelpunkt. Denn dieser Frieden ist uns Menschen nicht möglich, aber er kann uns von Gott geschenkt werden. Wenn Jesus Christus, der Auferstandene, seine Jünger auf diese Art grüßt, dann spricht er als Sohn Gottes nicht nur einen Wunsch aus, sondern er spricht ihnen diesen Frieden zu. In alle menschliche, weltliche Unsicherheit hinein schenkt er seinen Frieden. Er spricht zu seinen Jüngern und damit auch zu einer jeden und einem jeden von uns: „Meinen Frieden gebe ich dir.“

Und so geht das Osterwunder weiter. Weil wir Menschen nicht wissen, was wir mit Tod und Auferstehung anfangen sollen, gibt uns Jesus seinen Frieden. Einen Frieden, eine Kraft der Versöhnung und des Neuanfangs, die wir auch dringend brauchen. Denn das Osterwunder soll weiterwirken. Nicht bloß einmal im Jahr Ostern feiern, den Weg von Tod und Auferstehung mitgehen, sondern das Osterwunder in unsere Herzen lassen und durch Christi Frieden auch in die Welt tragen. Denn Jesus kam um die Welt mit Gott zu versöhnen, uns Menschen mit Gott und auch miteinander, ja mit uns selbst auszusöhnen. Dafür hat sein Vater ihn gesandt. Und mit ihm soll die Sache nicht enden, sondern eigentlich erst anfangen.

Daher sagt er auch, wozu er uns seinen Frieden gibt: Nämlich um seine Botschaft, sein Tun, sein Wunder als unsere Aufgabe, unsere Sendung in die Welt zu übernehmen. Und so wollen wir das Reich Gottes ernst nehmen, die Botschaft Jesu nicht nur in der Büchern der Bibel verstauben lassen, hinter verschlossenen Kirchentüren schlummern lassen, sondern in die Welt tragen. Mit seinem Auftrag schenkt er uns seinen Frieden und auch seinen Geist, damit wir wie auch seine Jüngerinnen und Jünger mit der Osterbotschaft die Welt verändern und auf das Reich Gottes zuarbeiten.

Hierfür müssen wir uns nicht selbst neu erfinden, ein neues Evangelium denken oder zwanghaft missionieren, sondern bloß offen sein: für Gottes Botschaft, seine Liebe, seine Kraft der Versöhnung, seinen Sohn. Offen zum einen, indem wir uns auf Jesus einlassen und ihn in unser Herz lassen. Und offen zum anderen, indem wir auf sein Wirken in uns vertrauen und unseren Glauben durch seine Kraft nach außen wirken lassen.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch März 2018

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! Joh 19,30 (L=E)

MonatsspruchMaerz18

„Es ist vollbracht!“ Diese Worte kennen wir alle auswendig, denn sie sind zutiefst mit dem Karfreitag verbunden. Aber, was ist vollbracht? Haben die Feinde von Jesus gesiegt, die ihn unbedingt beseitigen wollten? Reiben sie sich freudestrahlend die Hände, weil sie es endlich geschafft haben, Jesus aus dem Weg zu räumen? Nein, keiner von ihnen sagt diesen Satz. Jesus selbst sagt ihn. Aber was ist damit gemeint? Meint Jesus, dass sein Leben nun zu Ende ist? Meint er, dass er seine Mission erfüllt hat? Dass sein ganzes irdisches Leben nichts anderes als eine Aufgabe war? Nach irdischem Ermessen bedeutet der Tod von Jesus ja, dass die gesiegt haben, die Jesus und sein Tun nicht ertragen konnten, die ihn nur noch tot sehen wollten.

Aus christlicher Sicht bedeutet dieser Satz aber auch Vollendung. Die Vollendung des natürlichen Erdenlebens von Jesus, das im Stall von Bethlehem beginnt. Alles, was in seinem Leben geschieht, weist auf dieses Ende hin und Jesus selbst kündigt seinen Tod immer wieder an. Und er sagt auch, dass es geschehen muss. Jesus versteckte sich nicht, er ging freiwillig nach Jerusalem, obwohl er wusste, dass dort seine Feinde saßen.

Stumm wie ein Lamm erträgt er die größten Grausamkeiten. Er weiß, dass sein Tod seine Aufgabe auf Erden ist. Was wie die größte Niederlage aussieht, ist die Vollendung. Niederlage und Sieg, Tod und Auferstehung, Anfang und Ende, sie gehören zusammen und sind der Inhalt der Darstellung des Leidens und Sterbens von Jesus im Johannesevangelium. Sein Tod am Kreuz ist sein Sieg und unsere Erlösung.

„Es ist vollbracht!“ Diese Worte tauchen das grausame Geschehen auf Golgatha in einen hellen Schein. Wenn wir uns den Leidensweg von Jesus anschauen, so können wir Schritt um Schritt verfolgen, wie Jesus auch im Leiden an Kraft gewinnt. Ist er im Garten Gethsemane noch unschlüssig und hat Angst vor dem, was kommt, so wächst seine Kraft mit jedem Schritt. Sie befähigt ihn, selbst das Kreuz zu tragen. Aufrecht geht er auf Golgatha zu. Das kann uns auch heute noch Kraft geben, wie es vielen vor uns schon Kraft gegeben hat. Selbst als er sterbend am Kreuz hängt, öffnen sich für einige, die diesen, seinen Tod miterleben, neue Perspektiven. Seiner Mutter Maria stellt er noch im Tod einen Sohn zur Seite: „Frau, siehe das ist dein Sohn. Sohn siehe, das ist deine Mutter.“ Ab diesem Moment stehen sie nicht mehr nur nebeneinander, sondern auf höchsten Wunsch von Jesu in Zukunft auch füreinander ein. Er schafft neue Familienbeziehungen und auch wir dürfen uns deshalb zur Familie von Jesus zählen. Auch für den Verbrecher neben sich findet er noch tröstende Worte, als dieser erkennt und bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist. „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Selbst im Angesicht des Todes kann Jesus noch trösten und ein Versprechen abgeben, das alles überstrahlt.

„Es ist vollbracht!“ Der Kreuzestod von Jesu bestimmt den Karfreitag. Aber wir sollen nicht in der Betrachtung des Todes verharren, sondern weiterdenken. Dieser Tod ist der Sieg der Liebe Gottes, denn wie heißt es in der Schrift: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeboren Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Der Tod von Jesus schenkt uns das ewige Leben. Auf dieses Sterben deuten viele Stellen in der Bibel hin. Denn schon als sich Jesus von Johannes dem Täufer taufen lässt, sagt dieser: „Siehe, das ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt!“ Dieser schreckliche Tod ist notwendig, damit wir von unseren Sünden befreit werden. Gott geht diesen Weg für uns in seinem Sohn Jesus Christus. Die Sünde kann uns nicht mehr trennen von der Liebe Gottes und weil Jesus für uns gestorben ist, verliert auch der Tod seinen Schrecken, weil er die Sicht erweitert in das „Drüben“, in das Leben nach dem Tod, weil Christus für uns diesen Weg mit seinem Leiden und Sterben möglich gemacht hat.

Lektorin Gertrud Time

Monatspruch Februar 2018

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.
(5. Buch Mose 30, 14)

MonatsspruchFebruar18
Wann haben Sie sich das letzte Mal etwas zu Herzen genommen?

Das Wort, das hier nicht näher bezeichnet wird, ist uns nahe und wir sollen es uns zu Herzen nehmen und es sollauch in unserem Munde sein. Nun ist es so eine Sache, wenn wir uns etwas zu Herzen nehmen. Meist denken wir dabei an etwas, dass uns verletzt, das uns nahe geht und uns zumindest emotional Schmerzen bereitet. Doch ebenso gut kann „sich etwas zu Herzen nehmen“ auch bedeuten, etwas zu beherzigen, etwas ernst zu nehmen – im Fall des Monatsspruchs Februar eben das Wort.

Worte können schnell zu Herzen gehen und können erst recht schnell verletzen. Wir leben leider in einer Zeit der schnellen Worte. Und damit meine ich nicht nur, dass wir oft leichtfertig etwas sagen, das unsere Nächsten verletzen kann. Viel problematischer ist heutzutage das geschriebene Wort. Schnell und ohne groß nachzudenken machen Menschen ihre Meinung im Internet publik. Da werden vollkommen unüberlegt Hassbotschaften abgesetzt. Und während Worte oft sprichwörtlich als Schall und Rauch bezeichnet werden, so wiegt das im Netz viel schlimmer. Es heißt das Netz vergisst nicht und das ist wahr. Einmal unbedacht in die Tastatur gehämmert und schon ist es auf aller Welt und für sehr lange Zeit lesbar. Worte, die verletzen, gehen um die Welt und werden nicht vergessen. Sie verletzen Herzen und das heute leider nachhaltig.

Das Wort, das uns der Monatsspruch nahelegt, soll auch nachwirken. Es soll uns nahe sein und wir sollen es tun. Dieses Wort soll um die Welt gehen und es soll die Welt verändern. Das Wort ist Gottes Wort. Ein für alle Mal, sein erstes und sein letztes Wort für uns. Das Wort ist nämlich sein Sohn selbst, Jesus Christus. Wie es auch schon am Beginn des Johannesevangeliums heißt: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Und in seinem Sohn wird er auch das letzte Wort haben.

Das Wort ist also Jesus Christus oder – und das soll vielmehr unser Tun und Denken leiten – das Wort ist die Liebe Gottes. Wir sollen uns das zu Herzen nehmen und durch unser Tun und Reden von Herz zu Herzen dringen lassen. Gott liebt uns, Gott liebt diese Welt. Sein Wort verletzt nicht, sondern heilt. Sein Wort verurteilt nicht, sondern ist gnädig. Sein Wort ist nicht Schall und Rauch, sondern ewig.

Dieses Wort sollen wir uns zu Herzen nehmen und wirken lassen, wenn wir Worte reden und auch schreiben.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch Januar 2018

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren. (5. Buch Mose 5, 14)

Bild_Monatsspruch_Jan18
Das neue Jahr fängt ja gut an. Nach all dem Stress der Weihnachtszeit, wovon ich als Pfarrer ein sehr, sehr langes Lied singen könnte, verordnet uns Gott mit dem Monatsspruch für den ersten Monat des Jahres mal Ruhe.

Der siebte Tag soll der Ruhetag sein, so wie auch Gott am Ende seines Schöpfungswerkes geruht hat. Einen Ruhetag sollen wir uns nehmen, an dem nichts und niemand arbeiten sollen. Nun eigentlich haben die meisten ja bei der heute üblich 5-Tage-Woche zwei Ruhetage. Aber eben nur eigentlich.

Wer von uns gibt wirklich einmal einen Tag Ruhe? Handy weg, Computer weg, Radio weg, Nachrichten etc. Ist das denn überhaupt möglich? An den freien Tagen fällt doch zuhause noch genug Arbeit an, oder? Und wenn keine Arbeit im engeren Sinne, dann ist eben die Freizeit sinnvoll und aktiv zu gestalten. Ruhe scheint in der heutigen, schnellen Zeit ein Fremdwort zu sein. Und doch brauchen wir einen Moment, Stunden, ja im Grunde genommen auch einen Tag der Ruhe. Eine Zeit, in der wir uns auf die wichtigen Dinge des Lebens besinnen können. Zu diesem Zweck ordnet Gott einen Ruhetag an, denn – und das dürfen wir als Christinnen und Christen nicht vergessen – Gott, der uns ins Leben und bei unserem Namen gerufen hat, gehört ganz ins Zentrum der wichtigen Dinge unseres Lebens. Auch – oder vielleicht besser ausgedrückt erst recht – ihm sollen wir die Momente der Ruhe widmen.

Als Menschen, die zu Christus gehören, ruhen wir aber nicht am siebten Tag, sondern am ersten Tag. Der Sonntag ist nämlich, auch wenn wir das in der heutigen Welt ganz gern vergessen, der erste Tag der Woche. Der Tag, an dem Gott in all seiner Güte und Barmherzigkeit mit uns Menschen und seiner Schöpfung einen Neuanfang gesetzt hat, eine neue Schöpfung begonnen hat. Weil wir den Ostersonntag haben, halten wir auch den Sonntag als Ruhetag.

Vielleicht ist das für manche von uns eine gute Idee für einen etwas anderen Neujahrsvorsatz: Lasst uns den Ruhetag, für die meisten den Sonntag, dazu hernehmen, in aller Ruhe an Jesus Christus als unseren Erlöser zu denken und nicht nur uns selbst, sondern die Welt daran zu erinnern, was wir brauchen: Ruhe und die Konzentration auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, wie eben den Herrn unsern Gott.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch Dezember 2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
(Lk 1,78-79)

Bild_Monatsspruch_Dez17
Alle Jahre wieder… Alle Jahre wieder erfasst uns das Weihnachtswunder. Und das nicht erst am Heiligabend, sondern schon durch die einerseits turbulente, andererseits aber ruhige Adventzeit, also den Dezember hindurch.

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und wenn es so wie heuer oft schneit und trüb ist, dann ist die Adventzeit auch recht dunkel. Da spürt man die Finsternis und wird nachdenklich. Da kann es auch sein, dass wir das Licht eines schönen Tages wieder herbeisehnen.

Von einem aufgehenden Licht, das uns besucht und die Finsternis vertreibt, spricht der Monatsspruch im Dezember. Er stammt aus dem Loblied des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer, der lange geschwiegen hatte, aber als ihm, einem alten Mann, ein Sohn, ein Geschenk vom Himmel, gegeben wird, bricht er sein Schweigen. Er bricht sein Schweigen, weil er spürt, dass sein Gott, der Gott seines Volkes und seiner Vorfahren, etwas Großartiges in Gang setzt. Er singt ein Loblied auf Gott.

In eine Welt voller Finsternis schickt Gott sein Licht. Er lässt es uns besuchen. Und das ist nicht nur die Finsternis des Winters, sondern eine viel tiefere Finsternis. Ja auch über 2000 Jahre nach dem Ankommen des göttlichen Lichts ist noch viel Finsternis in unserer Welt. Krieg, Unfrieden, Neid, Gier, Not und vieles mehr lassen unsere Tage, auch wenn die Sonne scheinen mag, recht finster erscheinen.

Die Welt ist immer noch finster, aber Gottes Licht scheint immer wieder in diese Finsternis hinein. Seine Barmherzigkeit und sein Frieden, den er uns Menschen durch seinen Sohn schenkt, sind wie ein Lichtstrahl in finsterster Nacht.

Ein Lichtstrahl wie ihn Zacharias empfunden hat. Ein Licht, das uns den Weg nach Weihnachten, nach Ostern und in Gottes Friedensreich weist.

So wünschen wir allen Leserinnen und Lesern Momente des Lichts in der freudvollen Weihnachtszeit. Momente, in denen wir Gottes Liebe und Barmherzigkeit spüren. Momente, in denen jede Finsternis dem Licht aus der Höhe weicht. Ein Weihnachtswunder alle Jahre wieder und jeden Tag.

Pfr. Markus Lang

Monatspruch November 2017

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hes. 37,27)

Was für eine überwältigende, unvorstellbare  Zusage Gottes an sein Volk -  übrigens im Propheten Hesekiel gleich mehrmals nachzulesen -  die in Jesus auch für uns seine ganze Erfüllung findet! (2. Kor. 6,16)

Bild Monatsspruch Nov17Ja das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit! (Joh. 1,14) Aber noch vielmehr: Dieser allmächtige Gott wohnt nicht nur unter uns sondern durch seine Heiligen Geist sogar in uns:
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? (1. Kor. 3,16)

Und das hat Gültigkeit für die ganze Gemeinde – der Tempel Gottes als ein Haus aus lebendigen Steinen – aber auch für einen jeden einzelnen Gläubigen:
Christus wohnt durch den Glauben in unseren Herzen. (Eph. 3, 17) – also eine ganz enge Herzensverbindung mit unserem Herrn!

Aber wie schaut das in der Praxis, im Alltag aus?

„Gott besucht uns häufig, aber meistens sind wir nicht zu Hause.“  heißt es auf einer Spruchkarte, wo der Hirte enttäuscht vor dem leeren Gatter steht. Comic

Wir haben scheinbar nicht verstanden, was es Gott bedeutet, unter bzw. in uns zu wohnen. Beziehung ist ihm das Allerwichtigste, mehr als Dienst und Begabung.

Und so möchte er ins Wohnzimmer unseres Lebens, in den Mittelpunkt, dort eben wo sich unser Leben abspielt! Nicht in den Abstellraum, wo wir ihn gelegentlich hervorholen, nicht in den Winkel, der in manchen Häusern noch zu finden ist!

Wir haben ihn „ausgesiedelt“ in die Kirchen aus Stein, schenken ihm gelegentlich eine Stunde am Sonntag, holen ihm sogar zu den heiligen Feiertagen in unsere Wohnungen, aber ansonsten möchten die meisten von uns nicht viel mit ihm zu tun haben.

Unsere Zeit, unser Geld, unsere Lebensgestaltung, unsere Lebensmitte – ja unser Herz – da brauchen wir keinen lästigen Untermieter und schon gar nicht einen „im selben Haushalt“ angemeldeten Lebenspartner.

Gott möchte aber dieses Wohnrecht in unserem Herzen, damit unser Leben gelingen und eine herzliche Gemeinschaft im Geben und Nehmen entstehen kann!

Lassen wir Gott im Propheten Hesekiel nochmals zu Wort kommen: (Kap. 36, 26-28)

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

Da verheißt Gott etwas Gigantisches: Wenn er durch den Glauben in uns Wohnung nimmt wird unsere alte, verkrustete Natur durch ein neues, pulsierendes Herz ausgetauscht. Es entsteht eine ganz enge Gemeinschaft:

Aus DU und ICH wird WIR!!!

 

Und das alles nicht zum Selbstzweck, Nehemia schreibt dreimal „DAMIT“ und nennt dabei entscheidende Gründe:

damit wir Leute werden, die auch nach Gottes Wort und Willen leben können!

Nicht aus eigener Kraft, sondern mit Hilfe seines Geistes und seiner Liebe, die er uns geschenkt hat.

damit auch die, die ihn noch nicht kennen, erfahren, dass er der Herr ist!

Also zum glaubhaften, authentischen Zeugnis vor der Welt! (Wir sind ja sozusagen das 5. Evangelium, das von den Menschen um uns herum noch gelesen wird)

damit wir nicht mehr von Gott abirren, sondern beständig in dieser lebendigen Glaubensbeziehung zu ihm bleiben! (Wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt viel Frucht  - lautet mein Konfirmationsspruch)

Gott klopft an der Tür zum Wohnzimmer unseres Lebens – sind wir zu Hause und empfangen ihn mit den Worten:
Tritt ein  -  Herzlich Willkommen“?

Helmut Pichlmann

Monatspruch Oktober 2017

„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lk 15/10)

3 Schlüsselwörter finde ich: Freude, Sünder, Buße.

1. Freude:Fassade

Freude äußert sich durch Herzklopfen, Rührung sogar mit Tränen, Sprachlosigkeit, Stilles Innehalten,
dankbares Durchatmen aber auch durch Luftsprünge mit Jauchzen und Jubeln.
Allen Ausdrucksformen der Freude ist gemeinsam ein inniges, tiefes Gefühl, das schwer zu beschreiben ist. Eines, das man gerne öfters hätte. Ein Gefühl, das bewegt, aktiviert und das Gesicht erstrahlen lässt.
In diese Gefühlswelt führt uns das Bibelwort zum Monat Oktober hinein. In die Zeit, in der langsam die Natur zur Ruhe kommt, die letzten Früchte geerntet werden, wo die Dunkelheit der Nächte länger und länger wird. Freude und nicht depressives Gedankengut soll uns durchtragen – sogar bis hinein in die kurzen Tage des nahenden Winters.
Freude kommt nie grundlos auf. Freude im Umfeld Gottes erwähnt der Apostel. Aber: Ist denn bei Gott nicht ohnehin alles Freude, Friede und Glückseligkeit? Umso bemerkenswerter, dass gerade ein Mensch, nein, ein Sünder als Grund der Freude genannt wird.

2. Sünder/Sünde:

Lassen wir uns die Eigenschaften der Sünde erklären. Im Evangelischen Erwachsenen-Katechismus lese ich: Sünde bezeichnet das gestörte Verhältnis des Menschen zu Gott. Und weiter: Dieses wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus: Verachtung der Nächstenliebe, Maßlosigkeit im Kleinsten wie im Großen bis hin zur Überschätzung der eigenen Möglichkeiten (sein wollen wie Gott). Paulus gebraucht den Ausdruck „Leben nach dem Fleisch“, wobei damit das eigenmächtige Verhalten des Menschen gemeint ist, der sich von Gott gelöst hat. Paulus formuliert drastisch: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm 7/18,19)
Sünden“Start“ war bei Adam und Eva der Ungehorsam gegen Gott. Daraus folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Also sind alle Menschen getrennt von Gott. (bitte im Gesangbuch nachlesen unter 806.2 – das Augsburgische Bekenntnis, Artikel 2)
Die Erkenntnis, dass wir Sünder sind, erschließt sich nur im Glauben (Evang. Erwachsenen-Katechismus S 256). Diese Erkenntnis muss täglich erneuert werden, denn unsere sündige Natur setzt sich jeden Tag neu durch und will das gute Verhältnis zum Göttlichen in uns zerstören. (M. Luther: Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!)
Die von Gott getrennten Menschen (also die Sünder) zu erlösen ist Jesus Christus gekommen. ER hat dieses gewaltige Sündenpaket auf sich genommen und am Kreuz gesühnt. Durch Jesu Tod und Auferstehung sind alle an Jesus Glaubende von ihren Sünden befreit.
Jesus hat ein neues Kapitel aufgeschlagen, die Tür zum Paradies wieder geöffnet, den tiefen Graben zwischen Gott und Mensch überbrückt. Und nun – so hören wir – liegt es an uns Menschen. Wir haben die Wahl, uns für oder gegen Jesus zu entscheiden. Die Oktober-Botschaft ist klar: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“
Der Himmel bricht in Freudentaumel aus, wenn auch nur EIN Mensch das Angebot Jesu annimmt. Freude, die wir uns nicht vorstellen können und die uns beschämen würde, sobald wir erkennen, dass wir selbst der Auslöser sind:
Aus dem Sünder wird ein Jesus-Nachfolger.
Ein Jünger mit allen Stärken und Schwächen.
Ein Christ, der sich neben aller positiven Gesinnung auch seiner Sündhaftigkeit bewusst ist.

3. Das führt zum letzten Schlüsselwort des Monatsspruches: Buße

M. Luther: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: "Tut Buße", hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei.
Christen sind sich bewusst, dass der Gegner Gottes nie mit Störaktionen aufhören wird, um uns vom rechten Gottes-Weg abzubringen. Daher ist Umkehr (= Buße) die nötige Grundvoraussetzung um „bei der Stange“ zu bleiben, bei Gott zu bleiben. Ja, Buße klingt altmodisch. Vielleicht sind Begriffe wie Umkehr/Paradigmenwechsel/Besinnung/… für heutiges Verständnis griffiger. Auch gut.
Bei Gott jedenfalls herrscht Freude und Feststimmung, wenn dies passiert.
Übrigens: Eine ebenso große Freude darf uns “überfallen“, wenn wir glaubend begreifen, dass wir durch Christus Erlöste sind. Lassen wir es doch öfter „passieren“, dieses Rückbesinnen auf die Liebe Jesu, die uns erlöst hat. Dann fällt auch ein Akt der Buße, der Zerknirschtheit Gott gegenüber, nicht allzu schwer, denn:
Wir wissen um die Chance der Vergebung und dürfen sie nützen.
Freude im Himmel wird damit ausgelöst.
Freude, die wir uns nicht vorstellen können, die aber den Erlösten das Gesicht erstrahlen lässt.

Ich wünsche uns allen nicht bloß einen Oktober der Rückbesinnung auf 500 Jahre Reformation, sondern besonders darauf, dass Jesus Christus unser Herr ist und bleiben will, egal wie sehr uns das sündhafte Wesen drangsaliert.

Lasst uns einen schönen Herbst beginnen als Erlöste, denen die Freude ins Gesicht geschrieben ist.

Harry Muerth

Monatsspruch September 2017

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.
Lk 13,30 (L)

Woran erinnert uns dieser Bibeltext? Natürlich an das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das wir bei Matthäus 20, 1 - 16 finden. Die Auszahlung für die Arbeit beginnt bei den Letzten, die nur eine Stunde im Weinberg gearbeitet haben und endet mit denen, die seit der Früh beschäftigt waren und jeder bekommt den gleichen Lohn. Auf das Murren derer, die am längsten gearbeitet haben, sagt Jesus in Vers 16: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“ Der gleiche Satz wie bei Lukas, der noch ergänzt wird mit der Frage an die Murrenden: „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“Monatsspruch September
Auch in Lukas 13,30 finden wir die gleichen Worte, auch wenn das Gleichnis ein anderes ist. Wenden wir uns also dem Text aus Lukas zu, der vor Vers 30 steht. Es handelt sich um das Gleichnis von der engen und der verschlossenen Tür. Lukas 13, 22 -30.
Beginnen wir so: Es ist nicht schön, zu spät zu kommen.
Manchmal ist es sogar unangenehm, denn man stört die anderen, die schon mit etwas beschäftigt sind. Und vor allem hat man selber das Schönste verpasst, das lockere Ankommen, das Grüßen und das Gegrüßt-Werden, vielleicht das erste Getränk und den gegenseitigen Austausch mit den anderen. Man konnte sich auch keinen Überblick verschaffen, ob man jemanden aus der Gruppe kennt.
Manchmal ist es aber auch ganz zu spät, denn dann gibt es vielleicht keinen Einlass mehr; man hat zwar nicht alles, aber zumindest den Anfang verpasst. Das passiert im Theater, im Konzert. Man kann nicht gleich zu seinem Platz, man muss bis zu einer Pause warten, in der man dann vielleicht eingelassen wird. Und dann spürt man auch die Blicke derer, die pünktlich waren. Zu spät dran zu sein, ist nicht schön.
Einige Verse vor der Stelle, die uns zum Nachdenken anregt, spricht Jesus davon, dass viele durch die enge Pforte in das Reich Gottes hineinkommen wollen, es aber nicht schaffen werden. Dass man darum ringen soll, durch die Pforte hinein zu kommen.
Das Wort Pforte kennen wir heute nur mehr aus dem Klosterleben, denn die Klosterpforte gibt es nach wie vor. Auch der Pförtner ist uns noch bekannt, obwohl das Wort längst durch Portier oder Türsteher ersetzt wurde.
Im Mittelalter war die Pforte die kleine Tür neben dem Stadttor. Wenn man zu spät dran war, das Stadttor schon geschlossen war, dann konnte man bestenfalls durch diese Pforte daneben in die Stadt gelangen, nachdem man sich ausgewiesen und eventuell einen kleinen Beitrag gezahlt hatte, und war erst dann die Nacht über sicher untergebracht.
In unserem Text haben wir es mit zwei Dingen zu tun. Es geht um die Pforte für die Spätheimkehrer und um die Haustüre, die der Hausherr schließt. Wer immer spät kommt, kommt irgendwann einmal zu spät. Dann bleibt die Haustüre auch für den zu, den die Hausgemeinschaft kennt.
In dieser Erzählung spricht Jesus von Gott. Er kennt die nicht, die zu spät sind, oder will sie nicht kennen, obwohl er noch mit ihnen spricht. Nichts kann ihn umstimmen, auch nicht die Erwähnung von gemeinsamen Essen, von gemeinsam verbrachter Zeit. Gottes Antwort ist bitter: „Ich kenne dich nicht!“ Wer sich zu lange Zeit lässt, für den bleibt irgendwann die Tür zu. Der, der vor der Tür ist, der zu spät gekommen ist, der bleibt ausgeschlossen.
Und weiter heißt es: „Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.“
Versuchen wir also noch einmal zu verstehen, was es heißt, zu spät zu sein. Zu spät kommen heißt: Anderes war wichtiger. Ich habe eine Ausrede oder Rechtfertigung zur Hand. Aber am Ergebnis ändert es nichts. Weil ich zu spät bin, bekomme ich von den Menschen, von der Gemeinschaft, von der Umwelt, zu der ich gehöre, das Entscheidende nicht mit.
„Die Ersten werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten sein.“ Wir haben also nur noch zu sehen, wie es zu deuten ist. Einige Ausleger finden folgenden Hauptgedanken heraus: Da das himmlische Erbe nicht durch gute Werke erworben werden kann, sondern aus Gnade geschenkt wird, wird die Herrlichkeit für alle die gleiche sein.
Aber Christus erörtert hier gar nicht die Gleichheit der himmlischen Herrlichkeit für alle, auch nicht die zukünftige Lage der Gläubigen, sondern er erklärt nur, dass es gar keinen Grund dafür gibt, dass die, die der Zeit nach die Ersten sind, sich rühmen oder auf andere herabsehen können. Denn sooft der Herr will, kann er Leute berufen, die er eine Zeitlang zu vergessen schien, und er kann sie den zuerst Berufenen entweder gleichstellen oder sie ihnen sogar vorziehen.
Wenn die Tür zu bleibt, dann ist das schlussendlich die Quittung für eine lange Vorgeschichte. Menschen, Beziehungen, unsere Umwelt, alles, was uns lange egal war, das, was immer nur nach uns selber an zweiter Stelle stand, bietet uns irgendwann kein Zuhause mehr. Ohne dass wir es gemerkt haben, haben sich die zurückgezogen, die für uns immer an zweiter Stelle kamen.
Aber Gott sagt auch, warum die Tür für uns zu bleibt. Nicht, weil wir ihn zu wenig beachten würden, sondern weil er der Anwalt derer ist, die wir zu wenig beachten. Er hält uns den Spiegel vor: Ich weigere mich, euch zu kennen, so wie ihr euch weigert, die Menschen um euch wirklich kennen zu lernen.
Und nun geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Der Hausherr lässt – zumindest in den Worten Jesu – noch einen winzigen Spalt weit in sein Haus hineinsehen. Und der Spiegel, der uns vorgehalten wird, zeigt außer der Ablehnung noch ein anderes Bild. Da sitzen welche fröhlich an seinem Tisch. Viele sogar. Ganz verschiedene aus unterschiedlichen Zeiten. Stammväter Israels, mutige, aber schwierige Persönlichkeiten; ebenso auch die oft unbequemen Propheten. Man sieht all diejenigen, die sich früher oder später ganz auf andere eingelassen haben und darin Gottes Willen erfüllt haben. Sind sie nun gerettet, wir aber nicht? Das wäre die Botschaft, wenn das Zu-Spät für uns auch das Ende aller Zeitrechnung Gottes wäre.
Aber der Spiegel kann uns auch helfen. Vielleicht sehen wir im Spiegel Menschen am Tisch des Herrn sitzen, die wir vernachlässigt haben und es entsteht der Wunsch, ihnen nahe zu sein und mit ihnen zu reden. Man könnte sozusagen Versäumtes wieder gut machen.
Wir würden jedenfalls nur als verwandelte Menschen eintreten, die aufhören, immer zu spät zu kommen, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Wir würden uns wirklich für die anderen interessieren. Und so würden wir dann auch die Worte hören, die Jesus an anderer Stelle sagt: „Ich bin die Tür; wenn einer durch mich hineingeht, der wird selig werden.“
Jesus will damit sagen, dass viele Menschen, die meinen, wie die Pharisäer in Bezug auf religiöse Vorrechte „Erste“ sein zu müssen, nicht in das Reich Gottes eingehen werden. Sie werden „Letzte“ sein. Doch viele, einschließlich der Jünger Jesu, auf die die selbstgerechten Pharisäer als „Letzte“ herabblicken, werden „Erste“ sein, das heißt das Vorrecht erhalten, mit am Tisch im Reich Christi zu sein.

Gertrud Time

Monatsspruch August 2017

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.
Apg 26,22 (L)

Paulus blickt nach seinen vielen Reisen, mehr oder minder am Ende seiner Missionstätigkeit zurück. Er blickt zurück in dem Bewusstsein, dass sein Ringen um das Evangelium bald durch ein Urteil, wahrscheinlich ein Todesurteil, bald beendet wurde. Nichtsdestotrotz hält er an dem fest, was ihn so lange vorangetrieben und auch getragen hat: Die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi für uns, die in die Welt getragen werden muss.
Monatsspruch August
Paulus hatte es nicht leicht, doch er spürte Gott durch seinen Sohn ganz stark in seinem Leben. In Gefahr und Verfolgung war Gott da, mit seiner Hilfe. So nutzt er die Gelegenheit im Angesicht seiner Richter nochmals von Gott und seiner Liebe und Gnade für uns zu erzählen, von der er nicht nur erzählte, sondern die er ganz deutlich in seinem Leben spürte. Im Angesicht des Todes spürt er nach wie vor Gottes Liebe und kann nicht anders, als davon Zeugnis abzulegen.
Gott trägt das Leben der Menschen, die sich zu ihm bekennen und ruft uns dadurch auf, dies der Welt mitzuteilen. Kurz und knapp ist hier formuliert, was es ausmacht Christin bzw. Christ zu sein: ein anderes Lebensgefühl, ja eigentlich sogar ein anderes Leben – verbunden mit einem Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung, das nur Gott selbst sein kann.
Für Menschen in unseren Breiten in der heutigen Zeit sind die Gefahren und Mühen, die Paulus für seine Aufgabe auf sich nehmen musste, kaum vorstellbar. Wir leben in Österreich nicht in einer Welt, in der wir gefordert sind, für unseren Glauben unser Leben aufs Spiel zu setzen.
Und doch gibt es viele Momente in unserem Leben, in denen wir dieses Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung dringendst brauchen. Ein gute Freundin von mir, die mit der Religion nichts am Hut hat, ist Anfang 30 hat einen tollen Job, eine glückliche Beziehung – ihr fehlt es an nichts. Und doch ist sie „todunglücklich“. Sie sieht in ihrem Leben, in dem was sie Tag für Tag tut, keinen Sinn. Sie ist verzweifelt. Burnoutgefahr mit Anfang 30.
Ich denke, jede und jeder von uns kennt solche Menschen. Die, obwohl es eigentlich an nichts fehlt, verzweifeln und leiden. Und wir wünschen diesen Menschen, dass sie einmal zurückblicken können und sich freuen, dass sie solche Phasen überstanden haben. Aber das Ganze ist dann doch nicht so einfach.
In einer Welt des Überflusses haben wir von fast allem mehr als genug. Und doch fehlt es immer wieder am notwendigsten: nämlich dem Sinn. Sinn des Lebens, Sinn zu überleben. Sinn können wir uns kaum selbst geben. Aber – und das ist meine feste Überzeugung – Sinn können wir erfahren, Sinn können wir uns schenken lassen.
Gott hat all dem, woran wir leiden, dem Großen und Kleinen, dem, was uns oft sinnlos erscheint, einen Sinn entgegengesetzt. Durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Leben, Sterben und Auferstehen, gibt er sich uns Menschen. Schenkt er uns Liebe, Leben und Hoffnung, kurz gesagt: Sinn.
Das anzunehmen und zu erkennen ist eine Gnade, denn dann können wir das Leben, wie schwierig es auch manchmal erscheint, annehmen und es sinnvoll führen, denn Gott gibt allem einen Sinn. Das trägt, das dürfen wir erfahren. Ohne Gott wird’s da schon erheblich schwieriger.

 Pfr. Lang

Monatsspruch Juli 2017

Philipper 1,9: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

1.7.2017. 7.7.2017. Heiße Daten - auch in unserer Friedenskirche. Sommerzeit ist Hochzeitszeit und umso mehr, wenn das Datum irgendwie geschichtsträchtig wirkt. Da passt auch unser aktueller Monatsspruch perfekt. Er hört sich an, wie ein frommer Wunsch zu einer Trauung.

Monatsspruch Juli
Nur richtet sich Paulus nicht an Brautpaar, sondern an die von ihm geliebten Philipper, die er selbst zum Glauben an Jesus Christus angeleitet hat. Ihre Liebe soll immer reicher werden – an Erkenntnis und Erfahrung. Das Wort der Heiligen Schrift war aber nicht nur einmal an die Philipper vor fast zweitausend Jahren gerichtet, sondern auch an uns, Christinnen und Christen, von heute.

Ein frommer Wunsch des Apostels, der nur allzu logisch ist. Liebe muss reifen. Da drängt sich dann doch gleich wieder der Vergleich mit dem Brautpaar auf. Wenn ich mich verliebe, dann stellt sich meine Welt buchstäblich auf den Kopf. Und wenn aus dem ersten Verliebtsein Liebe wird, dann wird dadurch das ganze Leben erschüttert und auf neue Grundfesten gestellt. Liebe braucht Zeit, um zu wachsen. Liebe braucht Zeit, um das Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten zu integrieren, also an Erkenntnis und Erfahrung reicher zu werden. Ich denke bei diesem Bild gerne an meine Großeltern. Fast fünfzig Jahre durften sie Seite an Seite verbringen. Und bis zum Schluss waren sie einander – für mich als Jugendlichen damals nahezu kitschig – in Liebe zugetan. Aber sehr oft waren in ihren Erinnerungen auch die Schattenseiten des Lebens und der Liebe zueinander da. Und wenn sie davon erzählten, so nahm alles auch immer wieder eine gute Wendung, da sie immer wieder zueinander gefunden haben. Ihre Liebe hat vieles Gutes erlebt und vieles Schweres ausgehalten, aber sie ist dadurch auf gereift, an Erkenntnis und an Erfahrung.

Wenn sich nun der Monatsspruch an uns als Christinnen und Christen richtet, so stellt sich die Frage nach dem Gegenüber der Liebe, für die der Apostel betet. Auch dies ist eine Liebe, die das Leben verändert, erschüttert, dem Leben eine neue Richtung und eine neue Grundstimmung gibt. Es ist die Liebe, die wir durch Jesus Christus sein Leben und Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung erfahren. Die Begegnung mit Jesus Christus und seiner Liebe. Die Erkenntnis, dass Gott gnädig ist und alles getan hat für seine Menschen. Und die unermessliche Freude darüber, die den ganzen Brief des Apostels Paulus nach Philippi durchdringt. Ja, uns ist Gott begegnet auf einmalig schöne Weise. Wir sind frei, erlöst, getröstet.

Die Liebe zwischen Gott und uns verändert das Leben. Aber – und das ist Paulus bewusst – das Leben geht weiter. Es kommen glückliche Momente, wo wir Gott einfach vertrauen können und ganz aufgehen in diesem Vertrauen. Und es kommen Momente, die sind schwer und oft kaum zu ertragen, manchmal schmerzhaft und manchmal voll Enttäuschung. Da kommen dann Fragen hoch: Wo ist Gott? Wo ist seine Liebe?

Eine jede Liebesbeziehung braucht solche Momente, um an Erkenntnis und Erfahrung zu wachsen und Bestand zu bekommen. Momente des Glücks und den Blick auf den grandiosen Anfang zurück. Momente, in denen die Beziehung bedroht scheint und wir doch wieder den Weg hinaus finden, weil wir lieben und geliebt werden.

Das Gelingen und Wachsen einer Beziehung ist nicht einfach und auch nicht selbstverständlich. Da braucht es oft mehr als wir selbst tun können, sei es als Paar oder als gläubige Christinnen und Christen. Gebet und Gottes Segen können uns hier eine große Hilfe sein.

Daher tut es gut, wenn auch wir in das Gebet des Paulus einstimmen. Wenn wir Gott für unsere Beziehung zu ihm, aber auch für unsere Beziehungen untereinander bitten: „dass die Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“

 

Pfr. Lang

Monatsspruch Juni 2017

Apostelgeschichte 5, 29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

In diesem Bibelvers geht es um Gehorsam, in unserem Fall um den Gehorsam gegen Gott. Im Alltag gibt es meist immer jemanden, der Gehorsam einfordert. Schon als Kind müssen wir lernen, dass Eltern, Lehrer Gehorsam verlangen, denn ohne Disziplin würde Chaos herrschen. Aber Gehorsam muss erlernt und geübt werden und selten funktioniert das auf Anhieb.

Bild_Gehorsam
Viele Fragen tun sich in diesem Zusammenhang auf. Aber schauen wir in die Bibel. Wie viele Beispiele des Gehorsams gegenüber Gott finden wir im alten und neuen Testament. Ein Beispiel, das sicher viele kennen, ist, dass Gott von Abraham die Opferung seines Sohnes Isaak fordert. Wie würden wir heute reagieren? Würden wir unsere Kinder opfern, um Gott gefällig zu sein? Würden wir bis zum Äußersten gehen? Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr so leicht bereit, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Auch wenn die Bibel im Falle von Abraham eine schöne Lösung bietet. Noch bevor der Vater seinen Sohn tötet, schickt Gott dem gehorsamen Abraham einen Widder, den er anstelle des Sohnes opfern kann. Gott prüft Abraham nur bis zu einem gewissen Punkt, dann erweist er sich als gnädig.

Manchmal spricht man auch von blindem Gehorsam. Der ist dann nötig, wenn es um essentielle Dinge geht. Wenn die Situation es erfordert, dann muss gehandelt werden und der Auftrag, der Befehl darf im Augenblick nicht hinterfragt werden. Einrichtungen wie die Feuerwehr oder die Rettung funktionieren nach dem Prinzip. Einer schafft in der Gefahrensituation an, die anderen gehorchen. Damit diese Einsätze aber reibungslos ablaufen, muss geübt werden. Die einzelnen Handgriffe müssen im Extremfall sitzen, jeder Mann weiß, an welchem Posten er zu stehen hat und wer die Befehle erteilt. Nur so ist gewährleistet, dass der Einsatz gelingt.

Blinder Gehorsam beim Militär? Da werden wir schon etwas skeptischer. Muss der Soldat wirklich jeden Befehl ausführen? Darf er sich nicht auch von seinem Gewissen oder seiner Selbsteinschätzung der Situation leiten lassen?

Gehorsam müssen wir aber gegenüber dem eigenen Gewissen sein. Denn Gott spricht durch das Gewissen zu uns. Wenn es um Recht oder Unrecht geht, hilft uns die feine Stimme in unserem Inneren, das Richtige zu tun. Wenn wir nur auf sie hörten, dann müssten wir größtenteils den Willen Gottes tun. Blinder Gehorsam ohne Gewissen ist zwar in Diktaturen ein Weg, um heil aus allem herauszukommen, aber blinder und stummer Gehorsam ohne Gewissen ist nicht im Sinne Jesu. Wir müssen uns nur an das Dritte Reich erinnern. Wie viel Leid ist geschehen, weil Menschen in blindem Gehorsam all das befolgt haben, was ihnen ihre Vorgesetzten befohlen haben. Wie viele Menschen sind in den Konzentrationslagern umgekommen, wie viele Menschen haben sich Befehlen widersetzt und sind deshalb getötet worden? Menschen können sich bei ihren Forderungen an andere irren, ja sogar in völligem Widerspruch zu Gottes Willen und Gottes Forderungen stehen. Man muss eben Gott mehr gehorchen als den Menschen. Nicht umsonst denken wir heute noch an Menschen, die sich dem Wahnsinn des Dritten Reiches entgegen gestellt und damit den eigenen Tod in Kauf genommen haben. Ich möchte hier nur an Dietrich Bonhoeffer, die Geschwister Scholl und Franz Jägerstetter erinnern.

Auch heute halten Christen an Jesus fest - trotz terroristischer Bedrohungen wie durch die Milizen des Islamischen Staates. Christenverfolgung ist auch heute immer noch ein Thema, wenn ich nur an die Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten in jüngster Vergangenheit erinnern muss.

Ungezählte Christen haben ihr Leben gelassen, weil sie das nicht aufgeben wollten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Im neuen Testament ist es Jesus, der dem Vater gegenüber in allem gehorsam ist, auch wenn wir miterleben, wie schwer es ihm fallen kann. Er nimmt den Opfertod in Kauf, um mich und alle Menschen zu retten. Trotz mehrfacher Versuchungen durch den Teufel bleibt er der einmal gewählten Linie treu.

Jesus Christus war seinem Vater gegenüber gehorsam, aber wiederholt ungehorsam gegenüber den damaligen religiösen Autoritäten. Immer wieder stellt er sich gegen das Gesetz, das von Menschen und Priestern gemacht ist. Er heiligt den Sabbat nicht in der gewohnten Form. Er wendet sich den Ausgestoßenen, den Menschen am Rande der Gesellschaft zu. Er heilt Kranke, er nimmt sich der Kinder an, er behandelt Frauen als ebenbürtig. Aber wenn es um die Gebote Gottes geht, dann bleibt Jesus auf Linie. Sein Gehorsam ist allein beispielgebend für uns.

Aufgrund von Apostelgeschichte 5,29 kann Ungehorsam eine christliche Pflicht und Gehorsam eine Sünde sein. Unter bestimmten Umständen kann Gehorsam ein Verbrechen sein.

Im Wort „gehorchen“ steckt das Wort „horchen“. Wir müssen lernen, zuerst aufeinander zu „horchen“ und dann miteinander auf Gott zu „horchen“. Horchen ist intensives Hinhören und geht nicht zufällig. Nur im gegenseitigen Aufeinander-Hören kann ein sinnvolles Ganzes entstehen.

Über allem aber steht das eigene Gewissen, dem zu allererst zu gehorchen ist. Das ist ein klarer Aufruf zum Ungehorsam, wenn dieser vom Gewissen verlangt wird. Aber ein Aufruf zum Ungehorsam kann niemals ein Aufruf zum Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten sein, sehr wohl aber gegenüber Forderungen, die rein menschlich sind und nicht im Wort Gottes begründet sind. Daher kann ein solcher Aufruf zum Ungehorsam zutiefst christlich und im Willen Gottes begründet sein.

Es ist im Alltag nicht immer leicht, sich zu Jesus und zu Gott zu bekennen. Bequemlichkeit oder die Furcht vor dem Unverständnis der Mitmenschen machen Christen manchmal schweigsam. Wer sich nicht der Meinung der Bekannten und Freunde beugt, der riskiert es, verlacht oder verspottet oder gar ausgegrenzt zu werden. Trotzdem soll uns dieser Vers aus der Apostelgeschichte stets vor Augen sein: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Lektorin Gertrud Time

Monatsspruch Mai 2017

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kol 4,6)

Auf den ersten Blick eine Binsenweisheit. Wir sollen freundlich reden und „würzig“. Mehr bietet der Monatsspruch nicht. So gesehen könnte der Monatsspruch auch allgemeinen Regeln für den Umgang mit Menschen entstammen. Und mehr will uns der Verfasser des Kolosserbriefes hier auch nicht ans Herz legen.Bild_Salz

Ein Blick auf den dem Monatsspruch vorhergehenden Vers zeigt uns aber, dass hier eine besondere Stoßrichtung verfolgt wird. Es geht um die „Außenstehenden“, also diejenigen, die keine Christen sind. Ihnen gegenüber soll man freundlich und mit entsprechender Würze reden. Von der Innenperspektive ist da eigentlich keine Rede. Vermutlich geht der Schreiber davon aus, dass sich das unter Christinnen und Christen ohnehin erübrigt.

Ach, was wäre das für eine schöne Welt, wenn unter Christinnen und Christen die Rede stets freundlich und gehaltvoll wäre. Nun, es ist sicherlich keine große Überraschung, wenn ich behaupte, dass dieser Rat auch für uns untereinander ernst genommen werden sollte. Wo es menschelt, da können auch schon mal schnell harte Worte fallen. Wo es menschelt, da kann auch viel leeres, gehaltloses Geschwätz entstehen. Doch darum geht es dem Kolosserbrief gar nicht. Muss es eigentlich auch nicht. Denn unser Herr Jesus Christus selbst hat uns mehr als genug Weisungen gegeben, dass wir uns mit der Liebe, die er für uns hat, auch einander begegnen sollen. Und manchmal oder eigentlich sehr oft erlebe ich es auch genauso, wie Jesus es von will: ein geschwisterlicher, liebevoller, sehr wertschätzender Umgang.

Damit sollen wir uns aber nicht zufrieden geben. Erstens soll es unser Ziel sein, immer so miteinander umzugehen. Und zweitens – darauf will der Kolosserbrief hinaus – sollen wir den „Außenstehenden“ ebenso begegnen. In der Zeit der ersten Christen war dies von enormer Wichtigkeit. Denn die Jüngerinnen und Jünger Jesu wurden an ihrer Botschaft gemessen und die war von einem anderen Geist beseelt, der sich in allem zeigen soll. Die Erlösung, die uns Jesus anbietet und die wir in unserer Taufe angenommen haben, soll uns schon zu einem neuen Geschöpf machen, das eben anderen Regeln folgt, das sich anders verhält. Nicht nur an der Botschaft, sondern auch an unserem Verhalten sollen Christen erkannt werden.

Wir leben in einer Zeit, in der die Zahl der Außenstehenden wieder mehr wird. Daher sollten wir dieses Gebot der ersten Stunde auch wieder ernst nehmen. Der auferstandene Herr, Jesus Christus, hat uns einen Auftrag gegeben. Nämlich, dass wir aller Welt von ihm Zeugnis ablegen sollen und sie für ihn gewinnen sollen. Dafür schenkt er uns auch seinen Geist.

Das Zeugnis von Jesus Christus besteht aber nicht nur aus Worten, die oft leer, also salzlos wirken können, sondern aus Taten, aus unserem Verhalten. Wir sollen also in die Welt hinausgehen und zeigen, dass unser Leben schon ein anderes, ein von Gott angenommenes, geliebtes und damit auch „besseres“ ist. Es fällt schwer, doch Gott lässt uns dabei nicht allein.

„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ D.h. übersetzt nicht viel mehr und nicht viel weniger als: Seid glaubwürdige Jüngerinnen und Jünger Jesu Christ – in Wort und Tat.

Pfr. Markus Lang

Monatsspruch April 2017

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lk 24,5-6)

Der Monat April ist im kirchlichen Leben ganz bestimmt durch Ostern. Und so verwundert es auch nicht weiter, dass der Monatsspruch den Ostergeschichten entstammt.
Die Frauen rund um Jesus gehen zum Grab, um den Leichnam mit wertvollen Ölen zu salben. Doch das Grab ist leer. Zwei Engel begegnen ihnen und weisen sie recht schroff zurecht: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“Bild: Leben im Kreuz
Was macht ihr überhaupt hier? ist die Frage, der sich die Frauen stellen müssen. Die Antwort ist klar. Sie suchen Jesus. Sie suchen den Menschen, der ihnen so viel bedeutet hat. Sie suchen seine sterblichen Überreste, um ihm eine letzte Ehre zu erweisen. Ihr Vorhaben ehrt sie. Und doch…
Und doch ist es eigentlich grundlegend falsch. Es ist zwar richtig, dass sie Jesus suchen, aber dort wo sie suchen, ist grundfalsch. Wir alle kennen das Kindersuchspiel, bei dem es entweder wärmer oder kälter wird, je nachdem wie nahe man dem Gesuchten ist. Und dort, wo die Frauen suchen, ist es ganz kalt.
Die Kälte des Todes geht vom leeren Grab aus. Die Kälte des Todes, die manche am Karfreitag empfinden, wenn wir daran denken, dass sich Gott selbst in seinem Sohn einem unvorstellbar grausamen Tod für uns gestellt hat.
Viele Menschen gehen davon aus, dass der Karfreitag der höchste Feiertag von uns Evangelischen wäre. Nun auch da ist es ganz kalt. Zugegeben ohne die tiefe Todeskälte von Karfreitag kein Ostern. Aber wenn es nur um den Tod ginge, dann würde es uns wie den Frauen am Grab gehen. Da wäre es bei der Suche nach Gott, nach Jesus Christus ganz kalt – grabeskalt.
Dort, am und im Grab, können sie und auch wir Jesus nicht finden. Warm wird es auf der Suche erst, wenn wir ihn bei den Lebenden suchen. Denn unser Gott ist kein Gott des Todes, sondern ein Gott des Lebens. Die Todeskälte von Karfreitag wird durch die Herzenswärme Gottes am Ostermorgen überwunden.
„Sucht Jesus bei den Lebenden“. Dort gehört er hin. Er ist bei uns und nicht irgendwo in der dunklen Tiefe des Todes verschwunden. Er begegnet uns im Nächsten, in der Gemeinschaft, die wir in seinem Namen feiern. Und er ist auch im Leben nach dem Tod. Denn der kurze Augenblick des Todes ist nur ein kleiner Kälteeinbruch in der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Denn diese Geschichte ist eine Liebes- und Lebensgeschichte Gottes mit uns. In all seiner Liebe zu uns hat er sich für uns gegeben, dass wir leben, hier und jetzt und auch in der Zukunft nach dem Tod.
„Sucht Jesus bei den Lebenden“. Diese Botschaft gilt auch uns. Unser lebendiger Gott ist ein Gott der Zukunft. Lasst uns nicht in der Kälte des Todes verweilen, sondern die Wärme seines Lebens, seiner Auferstehung für und mit uns suchen.

Pfr. Markus Lang

Monatsspruch März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. (3. Mos 19,32)

Die gedankliche Verbindung zum vierten Gebot (Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden) drängt sich einem fast auf. Die Aufforderung ist klar, wir sollen die „Alten“ ehren. Doch wie so oft bei Geboten ist dies im Einzelfall gar nicht so einfach.


Bild_Alte_DameWir leben in einer Gesellschaft, die Jugend bzw. Jugendlichkeit zum Ideal auserkoren hat. Auch wenn die Entwicklung der Alterspyramide ganz klar zeigt, dass wir immer älter werden und dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung als „alt“ bezeichnet werden kann, entspricht das nicht der öffentlichen Wahrnehmung. Statt Ehrung des Alterns erleben wir einen Jugendlichkeitskult. Von Ehren der „Alten“ bleibt da oft keine Spur.

Es mag zudem im Einzelnen auch nicht leicht fallen, die „Alten“ zu ehren. Da mögen die einen einwenden, dass Altwerden ja keine Leistung ist. Wiederum andere mögen sich beschweren, dass die „Alten“ ja oft recht schwierig sind. Und wenn dann die Mühen und Leiden des Alters so richtig zuschlagen, dann kommt es vor, dass viele Zeitgenossen betroffen den Blick abwenden. Nichtsdestotrotz sind die „Alten“ da. Und das ist gut so.

Wir sagen heute kaum noch, dass wir jemanden ehren. Aber lassen Sie es mich anders ausdrücken: Wir sollen die „Alten“ würdevoll behandeln. Denn ungeachtet aller Dinge, die man meint gegen das Altern und die „Alten“ einwenden zu müssen, so steht diesen Menschen mindestens genauso viel Würde zu wie allen anderen. Und vielleicht haben sie sogar noch ein bisschen mehr Recht darauf. Ein langes Leben ist voller Erfahrungen mit den Menschen, mit der Welt, mit Gott und mit sich selbst – jedes für sich einzigartig. Da ist sehr viel da, wovor wir Respekt haben sollten, weswegen wir die Würde der anderen erst recht wahren sollten.

In der Zeit des Alten Testaments war die Achtung der „Alten“ ein wichtiges Thema, fehlte doch jedwede Form von organisierter Altersversorgung. Im Europa von heute haben wir eine mehr oder minder gute Altersversorgung. Da fallen die Notwendigkeiten des Alten Testaments eigentlich weg. Heute scheinen wir uns eigentlich sogar recht wenig um die „Alten“ kümmern zu müssen.

Wir sind aber in unserer heutigen Zeit mehr denn je gefordert, die Würde des Alters zu wahren. Mit dem hohen Alter, das wir Menschen heute erreichen können, kommen oft Einsamkeit und Hilfsbedürftigkeit. Wie leicht kann es da passieren, dass einem Menschen alle Würde genommen wird. Und wie wichtig ist es daher, diesem Menschen mit besonderer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu begegnen.

Wir dürfen aber keinesfalls vergessen, dass unser Gegenüber auch in Alter und Schwäche ein von Gott geliebtes Geschöpf ist, ebenso wie wir. Da gibt es keinen Unterschied. Und wo wir doch Unterschiede sehen, sind wir dazu angehalten, sie aus der Welt zu schaffen. Daher ist auch das Gebot, die „Alten“ zu ehren, eng mit dem Gebot, Gott zu fürchten, verbunden. Denn die Ehrfurcht vor Gott ist es – also im Grunde genommen unser Glaube, die uns auch dazu anhalten soll, zu sein wie er: voll Liebe für die Menschen – ohne Unterschied. Erst recht, wenn Menschen nicht mehr unserem Jugendideal entsprechen. Erst recht, wenn es für sie und mit ihnen schwer wird. Erst recht, wenn sie Hilfe brauchen.

Jedem Menschen ist von Gott in seiner unerschöpflichen Liebe eine einzigartige Würde geschenkt. An uns liegt es diese auch zu wahren – besonders, indem wir die „Alten“ ehren.

 

Pfr. Markus Lang

Gedanken zu den Monatsprüchen

September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3,11 - Luther 2017)

Gedanken dazu von Lektor Pichlmann

August 2018

Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (1. Joh. 4, 16)

Gedanken dazu von Lektor Muerth

Juli 2018

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea 10,12)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. – Hebr 13,2

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Mai 2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. - Hebr 11,1

Gedanken dazu von Pfr. Lang

April 2018

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ – Joh 20,21

Gedanken dazu von Pfr. Lang

März 2018

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5. Buch Mose 30, 14)

Gedanken dazu von Lektorin Gertrud Time

Februar 2018

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! Joh 19,30 (L=E)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Jänner 2018

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren. (5. Buch Mose 5, 14)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Dezember 2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78-79)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

November 2017

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. (Hes. 37,27)

Gedanken dazu von Lektor Helmut Pichlmann

Oktober 2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lk 15/10)

Gedanken dazu von Lektor Harry Muerth

September 2017

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lk 13,30 (L)

Gedanken dazu von Lektorin Gertrud Time

August 2017

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apg 26,22 (L)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Juli 2017

Philipper 1,19: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

Gedanken dazu von Pfr. Lang

Juni 2017

Apostelgeschichte 5, 29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Gedanken dazu von Lektorin Gertrud Time

Mai 2017 Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kol 4,6)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

April 2017

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
(Lk 24,5-6)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. (3Mos 19,32)

Gedanken dazu von Pfr. Lang

 

Glaubensbekenntnis nach Dietrich Bonhoeffer

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,

wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst,

sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,

und dass es Gott nicht schwerer ist,

mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf

aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer, Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte, in: Widerstand und Ergebung, Prolog

Segen

Den nachfolgenden Segen hat Elke Lehner bei der Adventfeier des Bildungswerkes (am 30.11.2013) vorgelesen:

Der Herr segne dich.

Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Arme mit Kraft.

Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen.

Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen.

Er erfülle deinen Mund mit Jubel und ein Herz mit Freude.

Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste:

Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.

Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

Es segne dich der Herr.

(aus Afrika)

Novemberpsalm von H. D. Hüsch

Ich male mir mein Leben, Herr,
Nach deinen Breitengraden.
Du lässt mich ganz leicht schweben,
Gleich wie am seidnen Faden,
Wohl über Sand und Meere.
Ich sehe Prunk und Pracht.
Ich sehe Lust und Leere,
Die Not und auch die Nacht.
Dein Blick tut mir genüge,
Du weißt, was Elend ist.
Ich tröste und ich füge mich,
Mein Herre Jesus Christ.
Am Ende lebt die Liebe,
Gar einzig und allein,
Drum komm und sprich und übe,
Mit uns das Glücklich-Sein.
Wir brauchen dein Erbarmen
Im finstern Weltgeschehn,
Bis wir in deinen Armen,
Uns alle wiedersehn.

(vorgetragen von Pfr. Martin Hofstätter anlässlich des Kantatengottesdienstes)

Ich hoffe, dieser Text gefällt anderen genauso gut wie mir. G. Time