Monatsspruch Juni 2017

Apostelgeschichte 5, 29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

In diesem Bibelvers geht es um Gehorsam, in unserem Fall um den Gehorsam gegen Gott. Im Alltag gibt es meist immer jemanden, der Gehorsam einfordert. Schon als Kind müssen wir lernen, dass Eltern, Lehrer Gehorsam verlangen, denn ohne Disziplin würde Chaos herrschen. Aber Gehorsam muss erlernt und geübt werden und selten funktioniert das auf Anhieb.

Bild_Gehorsam
Viele Fragen tun sich in diesem Zusammenhang auf. Aber schauen wir in die Bibel. Wie viele Beispiele des Gehorsams gegenüber Gott finden wir im alten und neuen Testament. Ein Beispiel, das sicher viele kennen, ist, dass Gott von Abraham die Opferung seines Sohnes Isaak fordert. Wie würden wir heute reagieren? Würden wir unsere Kinder opfern, um Gott gefällig zu sein? Würden wir bis zum Äußersten gehen? Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr so leicht bereit, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Auch wenn die Bibel im Falle von Abraham eine schöne Lösung bietet. Noch bevor der Vater seinen Sohn tötet, schickt Gott dem gehorsamen Abraham einen Widder, den er anstelle des Sohnes opfern kann. Gott prüft Abraham nur bis zu einem gewissen Punkt, dann erweist er sich als gnädig.

Manchmal spricht man auch von blindem Gehorsam. Der ist dann nötig, wenn es um essentielle Dinge geht. Wenn die Situation es erfordert, dann muss gehandelt werden und der Auftrag, der Befehl darf im Augenblick nicht hinterfragt werden. Einrichtungen wie die Feuerwehr oder die Rettung funktionieren nach dem Prinzip. Einer schafft in der Gefahrensituation an, die anderen gehorchen. Damit diese Einsätze aber reibungslos ablaufen, muss geübt werden. Die einzelnen Handgriffe müssen im Extremfall sitzen, jeder Mann weiß, an welchem Posten er zu stehen hat und wer die Befehle erteilt. Nur so ist gewährleistet, dass der Einsatz gelingt.

Blinder Gehorsam beim Militär? Da werden wir schon etwas skeptischer. Muss der Soldat wirklich jeden Befehl ausführen? Darf er sich nicht auch von seinem Gewissen oder seiner Selbsteinschätzung der Situation leiten lassen?

Gehorsam müssen wir aber gegenüber dem eigenen Gewissen sein. Denn Gott spricht durch das Gewissen zu uns. Wenn es um Recht oder Unrecht geht, hilft uns die feine Stimme in unserem Inneren, das Richtige zu tun. Wenn wir nur auf sie hörten, dann müssten wir größtenteils den Willen Gottes tun. Blinder Gehorsam ohne Gewissen ist zwar in Diktaturen ein Weg, um heil aus allem herauszukommen, aber blinder und stummer Gehorsam ohne Gewissen ist nicht im Sinne Jesu. Wir müssen uns nur an das Dritte Reich erinnern. Wie viel Leid ist geschehen, weil Menschen in blindem Gehorsam all das befolgt haben, was ihnen ihre Vorgesetzten befohlen haben. Wie viele Menschen sind in den Konzentrationslagern umgekommen, wie viele Menschen haben sich Befehlen widersetzt und sind deshalb getötet worden? Menschen können sich bei ihren Forderungen an andere irren, ja sogar in völligem Widerspruch zu Gottes Willen und Gottes Forderungen stehen. Man muss eben Gott mehr gehorchen als den Menschen. Nicht umsonst denken wir heute noch an Menschen, die sich dem Wahnsinn des Dritten Reiches entgegen gestellt und damit den eigenen Tod in Kauf genommen haben. Ich möchte hier nur an Dietrich Bonhoeffer, die Geschwister Scholl und Franz Jägerstetter erinnern.

Auch heute halten Christen an Jesus fest - trotz terroristischer Bedrohungen wie durch die Milizen des Islamischen Staates. Christenverfolgung ist auch heute immer noch ein Thema, wenn ich nur an die Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten in jüngster Vergangenheit erinnern muss.

Ungezählte Christen haben ihr Leben gelassen, weil sie das nicht aufgeben wollten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Im neuen Testament ist es Jesus, der dem Vater gegenüber in allem gehorsam ist, auch wenn wir miterleben, wie schwer es ihm fallen kann. Er nimmt den Opfertod in Kauf, um mich und alle Menschen zu retten. Trotz mehrfacher Versuchungen durch den Teufel bleibt er der einmal gewählten Linie treu.

Jesus Christus war seinem Vater gegenüber gehorsam, aber wiederholt ungehorsam gegenüber den damaligen religiösen Autoritäten. Immer wieder stellt er sich gegen das Gesetz, das von Menschen und Priestern gemacht ist. Er heiligt den Sabbat nicht in der gewohnten Form. Er wendet sich den Ausgestoßenen, den Menschen am Rande der Gesellschaft zu. Er heilt Kranke, er nimmt sich der Kinder an, er behandelt Frauen als ebenbürtig. Aber wenn es um die Gebote Gottes geht, dann bleibt Jesus auf Linie. Sein Gehorsam ist allein beispielgebend für uns.

Aufgrund von Apostelgeschichte 5,29 kann Ungehorsam eine christliche Pflicht und Gehorsam eine Sünde sein. Unter bestimmten Umständen kann Gehorsam ein Verbrechen sein.

Im Wort „gehorchen“ steckt das Wort „horchen“. Wir müssen lernen, zuerst aufeinander zu „horchen“ und dann miteinander auf Gott zu „horchen“. Horchen ist intensives Hinhören und geht nicht zufällig. Nur im gegenseitigen Aufeinander-Hören kann ein sinnvolles Ganzes entstehen.

Über allem aber steht das eigene Gewissen, dem zu allererst zu gehorchen ist. Das ist ein klarer Aufruf zum Ungehorsam, wenn dieser vom Gewissen verlangt wird. Aber ein Aufruf zum Ungehorsam kann niemals ein Aufruf zum Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten sein, sehr wohl aber gegenüber Forderungen, die rein menschlich sind und nicht im Wort Gottes begründet sind. Daher kann ein solcher Aufruf zum Ungehorsam zutiefst christlich und im Willen Gottes begründet sein.

Es ist im Alltag nicht immer leicht, sich zu Jesus und zu Gott zu bekennen. Bequemlichkeit oder die Furcht vor dem Unverständnis der Mitmenschen machen Christen manchmal schweigsam. Wer sich nicht der Meinung der Bekannten und Freunde beugt, der riskiert es, verlacht oder verspottet oder gar ausgegrenzt zu werden. Trotzdem soll uns dieser Vers aus der Apostelgeschichte stets vor Augen sein: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Lektorin Gertrud Time