Monatsspruch Juli 2017

Philipper 1,9: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

1.7.2017. 7.7.2017. Heiße Daten - auch in unserer Friedenskirche. Sommerzeit ist Hochzeitszeit und umso mehr, wenn das Datum irgendwie geschichtsträchtig wirkt. Da passt auch unser aktueller Monatsspruch perfekt. Er hört sich an, wie ein frommer Wunsch zu einer Trauung.

Monatsspruch Juli
Nur richtet sich Paulus nicht an Brautpaar, sondern an die von ihm geliebten Philipper, die er selbst zum Glauben an Jesus Christus angeleitet hat. Ihre Liebe soll immer reicher werden – an Erkenntnis und Erfahrung. Das Wort der Heiligen Schrift war aber nicht nur einmal an die Philipper vor fast zweitausend Jahren gerichtet, sondern auch an uns, Christinnen und Christen, von heute.

Ein frommer Wunsch des Apostels, der nur allzu logisch ist. Liebe muss reifen. Da drängt sich dann doch gleich wieder der Vergleich mit dem Brautpaar auf. Wenn ich mich verliebe, dann stellt sich meine Welt buchstäblich auf den Kopf. Und wenn aus dem ersten Verliebtsein Liebe wird, dann wird dadurch das ganze Leben erschüttert und auf neue Grundfesten gestellt. Liebe braucht Zeit, um zu wachsen. Liebe braucht Zeit, um das Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten zu integrieren, also an Erkenntnis und Erfahrung reicher zu werden. Ich denke bei diesem Bild gerne an meine Großeltern. Fast fünfzig Jahre durften sie Seite an Seite verbringen. Und bis zum Schluss waren sie einander – für mich als Jugendlichen damals nahezu kitschig – in Liebe zugetan. Aber sehr oft waren in ihren Erinnerungen auch die Schattenseiten des Lebens und der Liebe zueinander da. Und wenn sie davon erzählten, so nahm alles auch immer wieder eine gute Wendung, da sie immer wieder zueinander gefunden haben. Ihre Liebe hat vieles Gutes erlebt und vieles Schweres ausgehalten, aber sie ist dadurch auf gereift, an Erkenntnis und an Erfahrung.

Wenn sich nun der Monatsspruch an uns als Christinnen und Christen richtet, so stellt sich die Frage nach dem Gegenüber der Liebe, für die der Apostel betet. Auch dies ist eine Liebe, die das Leben verändert, erschüttert, dem Leben eine neue Richtung und eine neue Grundstimmung gibt. Es ist die Liebe, die wir durch Jesus Christus sein Leben und Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung erfahren. Die Begegnung mit Jesus Christus und seiner Liebe. Die Erkenntnis, dass Gott gnädig ist und alles getan hat für seine Menschen. Und die unermessliche Freude darüber, die den ganzen Brief des Apostels Paulus nach Philippi durchdringt. Ja, uns ist Gott begegnet auf einmalig schöne Weise. Wir sind frei, erlöst, getröstet.

Die Liebe zwischen Gott und uns verändert das Leben. Aber – und das ist Paulus bewusst – das Leben geht weiter. Es kommen glückliche Momente, wo wir Gott einfach vertrauen können und ganz aufgehen in diesem Vertrauen. Und es kommen Momente, die sind schwer und oft kaum zu ertragen, manchmal schmerzhaft und manchmal voll Enttäuschung. Da kommen dann Fragen hoch: Wo ist Gott? Wo ist seine Liebe?

Eine jede Liebesbeziehung braucht solche Momente, um an Erkenntnis und Erfahrung zu wachsen und Bestand zu bekommen. Momente des Glücks und den Blick auf den grandiosen Anfang zurück. Momente, in denen die Beziehung bedroht scheint und wir doch wieder den Weg hinaus finden, weil wir lieben und geliebt werden.

Das Gelingen und Wachsen einer Beziehung ist nicht einfach und auch nicht selbstverständlich. Da braucht es oft mehr als wir selbst tun können, sei es als Paar oder als gläubige Christinnen und Christen. Gebet und Gottes Segen können uns hier eine große Hilfe sein.

Daher tut es gut, wenn auch wir in das Gebet des Paulus einstimmen. Wenn wir Gott für unsere Beziehung zu ihm, aber auch für unsere Beziehungen untereinander bitten: „dass die Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“

 

Pfr. Lang