Monatsspruch August 2017

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.
Apg 26,22 (L)

Paulus blickt nach seinen vielen Reisen, mehr oder minder am Ende seiner Missionstätigkeit zurück. Er blickt zurück in dem Bewusstsein, dass sein Ringen um das Evangelium bald durch ein Urteil, wahrscheinlich ein Todesurteil, bald beendet wurde. Nichtsdestotrotz hält er an dem fest, was ihn so lange vorangetrieben und auch getragen hat: Die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi für uns, die in die Welt getragen werden muss.
Monatsspruch August
Paulus hatte es nicht leicht, doch er spürte Gott durch seinen Sohn ganz stark in seinem Leben. In Gefahr und Verfolgung war Gott da, mit seiner Hilfe. So nutzt er die Gelegenheit im Angesicht seiner Richter nochmals von Gott und seiner Liebe und Gnade für uns zu erzählen, von der er nicht nur erzählte, sondern die er ganz deutlich in seinem Leben spürte. Im Angesicht des Todes spürt er nach wie vor Gottes Liebe und kann nicht anders, als davon Zeugnis abzulegen.
Gott trägt das Leben der Menschen, die sich zu ihm bekennen und ruft uns dadurch auf, dies der Welt mitzuteilen. Kurz und knapp ist hier formuliert, was es ausmacht Christin bzw. Christ zu sein: ein anderes Lebensgefühl, ja eigentlich sogar ein anderes Leben – verbunden mit einem Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung, das nur Gott selbst sein kann.
Für Menschen in unseren Breiten in der heutigen Zeit sind die Gefahren und Mühen, die Paulus für seine Aufgabe auf sich nehmen musste, kaum vorstellbar. Wir leben in Österreich nicht in einer Welt, in der wir gefordert sind, für unseren Glauben unser Leben aufs Spiel zu setzen.
Und doch gibt es viele Momente in unserem Leben, in denen wir dieses Mehr an Leben, Liebe und Hoffnung dringendst brauchen. Ein gute Freundin von mir, die mit der Religion nichts am Hut hat, ist Anfang 30 hat einen tollen Job, eine glückliche Beziehung – ihr fehlt es an nichts. Und doch ist sie „todunglücklich“. Sie sieht in ihrem Leben, in dem was sie Tag für Tag tut, keinen Sinn. Sie ist verzweifelt. Burnoutgefahr mit Anfang 30.
Ich denke, jede und jeder von uns kennt solche Menschen. Die, obwohl es eigentlich an nichts fehlt, verzweifeln und leiden. Und wir wünschen diesen Menschen, dass sie einmal zurückblicken können und sich freuen, dass sie solche Phasen überstanden haben. Aber das Ganze ist dann doch nicht so einfach.
In einer Welt des Überflusses haben wir von fast allem mehr als genug. Und doch fehlt es immer wieder am notwendigsten: nämlich dem Sinn. Sinn des Lebens, Sinn zu überleben. Sinn können wir uns kaum selbst geben. Aber – und das ist meine feste Überzeugung – Sinn können wir erfahren, Sinn können wir uns schenken lassen.
Gott hat all dem, woran wir leiden, dem Großen und Kleinen, dem, was uns oft sinnlos erscheint, einen Sinn entgegengesetzt. Durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Leben, Sterben und Auferstehen, gibt er sich uns Menschen. Schenkt er uns Liebe, Leben und Hoffnung, kurz gesagt: Sinn.
Das anzunehmen und zu erkennen ist eine Gnade, denn dann können wir das Leben, wie schwierig es auch manchmal erscheint, annehmen und es sinnvoll führen, denn Gott gibt allem einen Sinn. Das trägt, das dürfen wir erfahren. Ohne Gott wird’s da schon erheblich schwieriger.

 Pfr. Lang