Monatspruch Oktober 2017

„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lk 15/10)

3 Schlüsselwörter finde ich: Freude, Sünder, Buße.

1. Freude:Fassade

Freude äußert sich durch Herzklopfen, Rührung sogar mit Tränen, Sprachlosigkeit, Stilles Innehalten,
dankbares Durchatmen aber auch durch Luftsprünge mit Jauchzen und Jubeln.
Allen Ausdrucksformen der Freude ist gemeinsam ein inniges, tiefes Gefühl, das schwer zu beschreiben ist. Eines, das man gerne öfters hätte. Ein Gefühl, das bewegt, aktiviert und das Gesicht erstrahlen lässt.
In diese Gefühlswelt führt uns das Bibelwort zum Monat Oktober hinein. In die Zeit, in der langsam die Natur zur Ruhe kommt, die letzten Früchte geerntet werden, wo die Dunkelheit der Nächte länger und länger wird. Freude und nicht depressives Gedankengut soll uns durchtragen – sogar bis hinein in die kurzen Tage des nahenden Winters.
Freude kommt nie grundlos auf. Freude im Umfeld Gottes erwähnt der Apostel. Aber: Ist denn bei Gott nicht ohnehin alles Freude, Friede und Glückseligkeit? Umso bemerkenswerter, dass gerade ein Mensch, nein, ein Sünder als Grund der Freude genannt wird.

2. Sünder/Sünde:

Lassen wir uns die Eigenschaften der Sünde erklären. Im Evangelischen Erwachsenen-Katechismus lese ich: Sünde bezeichnet das gestörte Verhältnis des Menschen zu Gott. Und weiter: Dieses wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus: Verachtung der Nächstenliebe, Maßlosigkeit im Kleinsten wie im Großen bis hin zur Überschätzung der eigenen Möglichkeiten (sein wollen wie Gott). Paulus gebraucht den Ausdruck „Leben nach dem Fleisch“, wobei damit das eigenmächtige Verhalten des Menschen gemeint ist, der sich von Gott gelöst hat. Paulus formuliert drastisch: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm 7/18,19)
Sünden“Start“ war bei Adam und Eva der Ungehorsam gegen Gott. Daraus folgte die Vertreibung aus dem Paradies. Also sind alle Menschen getrennt von Gott. (bitte im Gesangbuch nachlesen unter 806.2 – das Augsburgische Bekenntnis, Artikel 2)
Die Erkenntnis, dass wir Sünder sind, erschließt sich nur im Glauben (Evang. Erwachsenen-Katechismus S 256). Diese Erkenntnis muss täglich erneuert werden, denn unsere sündige Natur setzt sich jeden Tag neu durch und will das gute Verhältnis zum Göttlichen in uns zerstören. (M. Luther: Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!)
Die von Gott getrennten Menschen (also die Sünder) zu erlösen ist Jesus Christus gekommen. ER hat dieses gewaltige Sündenpaket auf sich genommen und am Kreuz gesühnt. Durch Jesu Tod und Auferstehung sind alle an Jesus Glaubende von ihren Sünden befreit.
Jesus hat ein neues Kapitel aufgeschlagen, die Tür zum Paradies wieder geöffnet, den tiefen Graben zwischen Gott und Mensch überbrückt. Und nun – so hören wir – liegt es an uns Menschen. Wir haben die Wahl, uns für oder gegen Jesus zu entscheiden. Die Oktober-Botschaft ist klar: „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“
Der Himmel bricht in Freudentaumel aus, wenn auch nur EIN Mensch das Angebot Jesu annimmt. Freude, die wir uns nicht vorstellen können und die uns beschämen würde, sobald wir erkennen, dass wir selbst der Auslöser sind:
Aus dem Sünder wird ein Jesus-Nachfolger.
Ein Jünger mit allen Stärken und Schwächen.
Ein Christ, der sich neben aller positiven Gesinnung auch seiner Sündhaftigkeit bewusst ist.

3. Das führt zum letzten Schlüsselwort des Monatsspruches: Buße

M. Luther: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: "Tut Buße", hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei.
Christen sind sich bewusst, dass der Gegner Gottes nie mit Störaktionen aufhören wird, um uns vom rechten Gottes-Weg abzubringen. Daher ist Umkehr (= Buße) die nötige Grundvoraussetzung um „bei der Stange“ zu bleiben, bei Gott zu bleiben. Ja, Buße klingt altmodisch. Vielleicht sind Begriffe wie Umkehr/Paradigmenwechsel/Besinnung/… für heutiges Verständnis griffiger. Auch gut.
Bei Gott jedenfalls herrscht Freude und Feststimmung, wenn dies passiert.
Übrigens: Eine ebenso große Freude darf uns “überfallen“, wenn wir glaubend begreifen, dass wir durch Christus Erlöste sind. Lassen wir es doch öfter „passieren“, dieses Rückbesinnen auf die Liebe Jesu, die uns erlöst hat. Dann fällt auch ein Akt der Buße, der Zerknirschtheit Gott gegenüber, nicht allzu schwer, denn:
Wir wissen um die Chance der Vergebung und dürfen sie nützen.
Freude im Himmel wird damit ausgelöst.
Freude, die wir uns nicht vorstellen können, die aber den Erlösten das Gesicht erstrahlen lässt.

Ich wünsche uns allen nicht bloß einen Oktober der Rückbesinnung auf 500 Jahre Reformation, sondern besonders darauf, dass Jesus Christus unser Herr ist und bleiben will, egal wie sehr uns das sündhafte Wesen drangsaliert.

Lasst uns einen schönen Herbst beginnen als Erlöste, denen die Freude ins Gesicht geschrieben ist.

Harry Muerth