Monatspruch Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. – Hebr 13,2

Monatsspruch Jun 2018
Der Hebräerbrief gibt uns für den Monat Juni eine recht praktische Anweisung: Seid gastfreundlich. Nun die meisten von uns werden behaupten können, sie seien recht gastfreundlich. Nur zu gerne laden wir Menschen zu uns ein, bewirten und versuchen unseren Gästen eine gute Zeit zu bereiten. Das scheint nun wirklich recht einfach zu sein. Und doch geht Gastfreundschaft hier ein bisserl weiter. Bei Gastfreundschaft denken wir kurz und gut an Menschen, die wir – oft von langer Hand vorbereitet – eingeladen haben.

Für die Menschen der Bibel war die Gastfreundschaft aber erheblich weiter gefasst. Schon im Alten Testament war es eine der vornehmsten Pflichten der Israeliten, den Fremden aufzunehmen und gut zu behandeln – mit der simplen Erklärung, dass man selbst einst in Ägypten Fremder war. So war es kulturell geboten, Fremde (ungeladene Gäste) gastfreundlich zu behandeln – ja ihnen sogar das beste Stück des eigenen, oft kargen Essens zu kredenzen. Bezeichnend hierfür ist das Wort, das sich für die Gastfreundschaft im griechischen Originaltext des Hebräerbriefes dafür findet: philoxenia, was so viel heißt wie Fremdenliebe.

Die Gastfreundschaft selbst war dann auch der Nährboden, auf dem sich das Christentum entwickelte. Als Jesus von Ort zu Ort zog und in Häusern lehrte und heilte, so konnte er dies tun, weil er in aller Gastfreundschaft aufgenommen wurde. Die Apostel, die ersten Missionare des Christentums, waren auf die Gastfreundschaft angewiesen, als sie von Ort zu Ort zogen, um die Botschaft des auferstandenen Erlösers unter die Menschen brachten. Und ihre Besuche hatten solche Wirkung, dass Menschen auch für andere ihre Häuser öffneten. So bildeten sich nämlich die ersten Gemeinden, weil jemand im Namen Jesu Christi sein Haus für andere öffnete. Wir sehen also: Gastfreundschaft ist eine der (ur)christlichsten Tugenden schlechthin.

Nichtsdestotrotz ermahnt uns bereits der Hebräerbrief die Fremdenliebe nicht zu vergessen, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Auch davon weiß die Bibel viel zu erzählen, dass Engel unwissentlich als Gäste aufgenommen wurden (so z.B.: Abraham 1Mos 18). Engel sind Boten Gottes. Diese stellen wir uns oft als übernatürliche Wesen vor, aber das muss gar nicht sein. Die frühen Christen haben oft Engel aufgenommen, Boten des Allerhöchsten, Botschafter Jesu Christi: nämlich die Apostel und die vielen Missionare. Auch die waren Engel, haben sie doch das Leben derer, die sie aufnahmen, nachhaltig verändert. Und auch wir kennen Menschen, die plötzlich, ungeladen und daher auch ungebeten auftauchen, und von denen wir denken oder auch sagen: dich schickt der Himmel. Die Türen für unerwartete Gäste zu öffnen, kann ganz unerwartet Wunderbares in unserem Leben bewirken.

Und doch müssen wir uns die Frage gefallen lassen, wie es denn um unsere Gastfreundschaft bestellt ist. In Zeiten von unter allen Umständen zu schützender Privatsphäre, hermetisch verschlossenen Eigenheimen, der Angst vor Dieben und prinzipiell Fremden und auch in Zeiten der verschlossenen Grenzen drängt sich mir doch Zweifel an der (ur)christlichen Tugend der Gastfreundschaft auf. Kann ich es denn wirklich wagen, vorbehaltlos gastfreundlich zu sein? Diese Frage muss sich wohl jede und jeder von uns immer wieder stellen. Vielleicht hilft hierbei der Gedanke, dass selbst wir nur Gäste auf Erden sind, Gäste des einen großen und unermesslich gastfreundlichen Hausherren, unseres Gottes. Wenn er uns vorbehaltlos annimmt und einst auch in seinem Haus endgültig aufnimmt, dann können wir vielleicht auch unsere Türen einen Spalt weit öffnen.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. – Gastfreundschaft kann im Namen unseres Herrn Wunder bewirken, so wie er selbst zum Wunder für uns wurde. Mit Worten eines Kirchenliedes von Rolf Schweizer (1982):

  1. Damit aus Fremden Freunde werden,
    kommst du als Mensch in unsre Zeit:
    Du gehst den Weg durch Leid und Armut,
    damit die Botschaft uns erreicht.

  2. Damit aus Fremden Freunde werden,
    gehst du als Bruder durch das Land,
    begegnest uns in allen Rassen
    und machst die Menschlichkeit bekannt.

  3. Damit aus Fremden Freunde werden,
    lebst du die Liebe bis zum Tod.
    Du zeigst den neuen Weg des Friedens,
    das sei uns Auftrag und Gebot.

  4. Damit aus Fremden Freunde werden,
    schenkst du uns Lebensglück und Brot:
    Du willst damit den Menschen helfen,
    retten aus aller Hungersnot.

  5. Damit aus Fremden Freunde werden,
    vertraust du uns die Schöpfung an;
    du formst den Menschen dir zum Bilde,
    mit dir er sie bewahren kann.

  6. Damit aus Fremden Freunde werden,
    gibst du uns deinen Heilgen Geist,
    der, trotz der vielen Völker Grenzen,
    den Weg zur Einigkeit uns weist.

Pfr. Markus Lang