Monatspruch Juli 2018

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! - Hosea 10,12

Monatsspruch Juli 2018
Gerechtigkeit – Ein Dauerbrenner. Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit, das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit ist ein Thema, das es zu jeder Zeit und an jedem Ort in der Menschheitsgeschichte gab. Und auch heute geht es allerorts um Mehr Gerechtigkeit: Soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Schöpfungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Steuergerechtigkeit und viele, viele mehr. Wir wollen, dass es auf dieser Welt gerechter zugeht und wünschen uns mehr Gerechtigkeit. Daher ist die Botschaft der Propheten immer noch brandaktuell.

Aber was ist eigentlich gerecht? Gerechtigkeit liegt im Leben sehr oft im Auge des Betrachters. Fühlen sich die einen gerecht entlohnt, so gibt es genug andere, die meinen, die Höhe des Lohnes wäre ungerecht. Die Maßstäbe können sich sehr stark unterscheiden. So erlebe ich mit meinen Schülern, dass anscheinend objektive Maßstäbe der Gerechtigkeit wie in unserem Notensystem sehr schnell als ungerecht empfunden werden können. Noch viel mehr kann in diesem wie in anderen Bereichen das Gegenteil von Gerechtigkeit nicht Ungerechtigkeit, sondern eben Neid sein. Ein anderer/eine andere wurde eigentlich gerecht behandelt, aber ich selbst würde es auch gern so erleben, auch wenn ich nicht das Anrecht darauf habe. An diesen kleinen Gedanken erkennen wir schon, dass Gerechtigkeit ein allumfassendes Thema ist und Ungerechtigkeit (zumindest subjektiv empfunden) überall in unserem Leben zu finden ist.

Von Gott durch den Mund seines Boten Hosea werden wir aufgefordert Gerechtigkeit auszusäen. Nun geht es hierbei aber nicht um Gerechtigkeit nach unseren oft sehr einseitigen und subjektiven Maßstäben, sondern nach Gottes Plan. Als Antwort auf die Frage, wie diese Gerechtigkeit auszusehen hat, hat uns Gott ein Handbuch seiner Gerechtigkeit anvertraut: Nämlich die Bibel. Von Anfang an ist es Gottes Wunsch und zugleich Auftrag für uns, seiner Gerechtigkeit in der Welt Raum zu geben. Nur einige Beispiele seien hierfür in Erinnerung gerufen: die Liebe zum Nächsten wie zum Fremden (3. Mose 19,33-34), den Schutz der Tiere wie der Natur (5. Mose 22,6-7), die Solidarität mit den Armen und Schwachen (Sprüche 14,31), der Einsatz für Frieden statt Segnung der Waffen (Ps 46,10), der Schutz von Frauen (und Männern) vor körperlicher Gewalt und seelischer Misshandlung (2. Samuel 13,1-20), oder ein respekt- und würdevoller Umgang mit älteren Menschen (3. Mose 19,32). Ganz praktisch und konkret offenbart uns Gott seine Gerechtigkeit, die wir in der Welt verbreiten sollen, nicht nur in gewohnten Bahnen, sondern eben auf neuen Feldern (Pflüget ein Neues).

Wer eine Saat ausbringt, muss die Saat pflegen und hoffentlich auch ernten. Wenn wir die gerechte Ernte einfahren, dann geht es auch schon um’s Richten. Und da ist die Gefahr groß, dass die Ernte in Ungerechtigkeit ausartet. Daher soll das Maß der Ernte die Liebe sein. In dieser Aufforderung steckt ein Gedanke, der sich auch schon im 3. Buch Mose findet (20,26): Gott spricht „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ Gott selbst, in seiner Gerechtigkeit und erst recht in seiner Liebe, soll unser Vorbild sein. Denn wenn Gott die Ernte seiner Gerechtigkeit einbringt, dann tut er dies im Gericht. Und würde er bloß rechnerisch gerecht urteilen, so würde es für die meisten von uns und auch für mich recht düster aussehen. Doch Gott ist anders als wir Menschen. Er erntet, er richtet nach dem Maße der Liebe. Er lässt Gnade vor Recht ergehen – in seinem Sohn, Jesus Christus. Und daran sollen auch wir uns halten. Nicht nach einer simplen buchhalterischen Gerechtigkeit urteilen, sondern in Liebe den anderen annehmen. In Liebe das annehmen, was unser Gegenüber aus der Saat gemacht hat. Weil Gott ein gnädiger und vergebender Gott ist, sollen wir auch gnädig und vergebend sein.

Bis er kommt und seine Gerechtigkeit nicht mehr bloß Saat ist, sondern ein Regen, der die ganze Welt nährt.

Pfr. Markus Lang