Monatspruch November 2018

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.  (Offb 21,2)

Monatsspruch November 2018

Die Hochzeitssaison ist vorbei. Im November sind es eher andere Gedanken als die eines rauschenden Hochzeitfestes, die uns bewegen. Da mutet der Monatsspruch eher eigenartig an.

Anfang November führt uns der Weg an die letzten Ruhestätten unserer Verstorbenen. Und der Nebel, das endgültig abfallende Laub, die kalten, immer kürzer werdenden Tage machen eher nachdenklich und vielleicht auch irgendwie traurig. Vergänglichkeit ist das Thema dieses Monats und wohl eher nicht die ausgelassene Freudenstimmung einer Hochzeit.

Und doch verbindet dieses Bildwort des Sehers Johannes aufs Engste. Die Welt wird nicht ewig bestehen, so wie sie ist. Da muss man kein Untergangsprophet sein, sondern manchmal – so wirkt es heute mit Klimawandel, Konflikten, Massenflucht – nur die Zeichen der Zeit erkennen. Da kann einem dann schon Angst und Bang werden. Im Buch der Offenbarung ist das Ende der Zeiten das vorrangige Thema. Mit dem Monatsspruch für den November befinden wir uns aber schon am Ende des Buches. Das heißt auch, dass in der Vision des Sehers die Welt schon vergangen ist und nun eine neue, Gottes ewige Welt heranbricht.

Uns fehlt der einzigartige Blick des Sehers, wir sehen nicht, was er sieht. Und selbst für ihn ist das, was er sieht, kaum zu verstehen, weswegen er sich Bildern bedient, die leichter zu verstehen sind. Eine Stadt kommt vom Himmel herab. Es ist Jerusalem. Aber nicht das Jerusalem von heute, das wir alle kennen. Das fast ein Sinnbild für unsere zerrüttete Welt ist. Heilige Stadt dreier Religionen, heiß umstritten zwischen Religionen und auch Völkern. Brennpunkt einer überhitzten politischen Diskussion um die Hauptstadt des Staates Israel.

Nein es ist das himmlische Jerusalem – Gottes heilige Stadt, Hauptstadt der neuen Welt, im Himmel vorbereitet für den richtigen Zeitpunkt. Es ist für uns unvorstellbar, wie sie wohl sein wird. Und daher benützt der Seher ein weiteres Bild: das einer geschmückten Braut. Da können wir uns schon eher etwas vorstellen. Ein Braut, so schön wie vorher nie und auch nachher nicht, atemberaubend hergerichtet für den einen und hoffentlich einzigartigen Moment in ihrem Leben. Eine Braut, wie es auch das Volk Gottes ist, das auf den Bräutigam Jesus Christus wartet – ein in der Bibel verbreitetes Bild. Johannes sieht hier den großen Moment des Anbruches von Gottes ewiger Welt auf ihn zukommen in der Form des himmlischen Jerusalems.

Es steht für die Schar derer, die zu Gott gehören – eine ewige, unauflösliche Liebesgemeinschaft mit Gott. Und zu dieser Schar gehören, die die uns zu Gott vorangegangen sind, ebenso wie auch wir, die noch in der vergänglichen und damit irgendwie vorläufigen Welt leben. Wir haben nämlich unser Bürgerrecht im Himmel, so der Apostel Paulus in Phil 3,20. Und das wird offenbar werden, wenn die vollendete Gemeinde vom Himmel herabkommt.

Dieses Erbteil gilt es zu pflegen in der Gewissheit, die uns aus dem Bildwort des Sehers Johannes entgegenkommt. Einstweilen ist es an uns das Geschenk des Glaubens festzuhalten, die Hoffnung zu bewahren und die Liebe Gottes zu uns zu ergreifen und zu üben – bis am Ende der Zeiten es an uns allen mit allen unseren Geschwistern im Glauben vereint offenbar wird. In Gottes neuer Welt.

Pfr. Markus Lang