Jahreslosung 2019

Weidmanns Heil!

Jahreslosung 2019

Ihr Lieben!

Zugegeben, das ist eine eigenartige Einleitung. Aber heute passender denn je. Am Beginn des neuen Jahres 2019 widmen wir uns heute der Jahreslosung. Zu Neujahr fassen ungemein viele Menschen sogenannte Neujahrsvorsätze. Wer von euch hat sich denn etwas besonderes für das neue Jahr vorgenommen?

Meistens sind die Jahreslosungen recht hoffnungsvolle, weihevolle Sätze, Verheißungen, die uns etwas von Gott versprechen. Heuer ist es mal anders: Heuer kommt eine Aufgabe auf uns zu, sozusagen ein Neujahrsvorsatz aus Gottes Hand. „Suche Frieden und jage ihm nach“ heißt es im 34. Psalm. Dieser Psalm ist ein Loblied Davids aus einer Zeit, in der er sich eigentlich verstecken musste, zu viele Feinde stellten ihm nach. Und doch ist er voll des Lobs für seinen Gott und voller Vorsätze ihm zu dienen. Im Hebräischen ist der 34. Psalm ein Alphabetpsalm, die einzelnen Sätze buchstabieren fromme Weisheiten, die Hoffnungen und auch Verpflichtungen des Frommen durch. Und in der zweiten Hälfte heißt es dann eben „Suche Frieden und jage ihm nach“. Das ist der zweite Teil von Vers 15. Der Vers beginnt mit „Meide das Böse und tu das Gute!“

Friede ist heute – wie vermutlich zu jeder Zeit der Menschheit – ein viel gebrauchtes Wort. Und je unsicherer die Welt wird, umso mehr hören wir vom Frieden. Manchmal sind das, wenn sie von Politikern kommen, fast leere Worte. Bei Donald Trump – und nicht nur ihm – ist der Wahrheitsgehalt eher überschaubar. Nichtsdestotrotz ist Friede in aller Munde. Vom Weihnachtsfrieden kommen wir her, dann wären da noch – um nur wenige zu nennen – der Friede zwischen Nationen, sozialer Friede, Friede mit der Schöpfung usw. und so fort. Ein Thema zu dem alle etwas zu sagen haben und meinen.

Das liegt daran, dass Friede eine ganz tiefe Sehnsucht in uns anrührt. Dieser vielgebrauchte Begriff ist aber von seiner Bedeutung her nur schwer zu fassen. Im ersten Zuge denken wir bei Frieden natürlich an die Abwesenheit von Gewalt. Wenn Friede herrscht, dann gibt es weder physische noch psychische Gewalt. Wenn David – ja eigentlich die ganze Heilige Schrift – von Frieden spricht, dann steckt da aber noch viel mehr drin.

Im Hebräischen steht da Schalom. Schalom, ein Wort, das heute noch im Hebräischen als Gruß gilt. Wie auch in anderen verwandten Sprachen, wenn man sich beispielweise auf Arabisch as salam aleikum zuspricht oder auf Farsi eben auch salam! Der biblische Schalom weitet unseren Blick auf einen umfassenderen Frieden. Schalom können wir getrost mit heil oder unversehrt übersetzen, ein Zustand, in dem ich mit Gott, den Menschen und mir selber im Reinen bin. Schalom ist damit der Inbegriff von Menschlichkeit. Wo Schalom herrscht, gibt es nicht nur keine Gewalt; es hat jeder seinen Platz zum Leben, hat sein Auskommen an Nahrung und Trinken, hat intakte Beziehungen zu Mitmenschen und Gott… umfassender Frieden. Nach so einem Leben sehnen wir uns, aber nach so einem Leben in Frieden sollen wir auch streben.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Schalom ist nicht einfach da. Schalom muss gesucht werden, ihm muss nachgejagt werden. Er braucht Einsatz, unter Umständen Mut und Zivilcourage.

Im 34 Psalm findet sich David in einer Situation, die mit Frieden so gut wie gar nichts zu tun hat. David wird verfolgt, hat selbst eine kleine Soldatentruppe versammelt, mit denen er auf der Flucht auch nicht wirklich friedlich. Eine friedlose Situation, in der Frieden so unglaublich weit weg wirkt, und doch… genau in dieser Situation ist die Sehnsucht nach ihm so groß.

Der Frieden gehört mitten ins Leben, so wie es ist. Er findet niemals optimale Bedingungen vor. Ob nun David auf der Flucht oder wir heute um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft kämpfen müssen – so zufällig wie beides nebeneinander steht, so ist der Frieden herausgefordert. Wenn wir auf die günstigsten Bedingungen für den Frieden waren, dann wird das nichts. Das Leben ist, wie es ist. Darin Heil, Unversehrtheit, Menschlichkeit und den Zusammenhalt von allen Menschen zu suchen. Das ist niemals leicht. Das braucht Mut. Mut damit anzufangen, auch wenn es sehr schwer wird. Mutig anfangen, Anfangen mit dem Aufhören von Gewalt und Hass und Spaltung – mitten in unserem Leben. Es geht um uns und um die Zukunft. Menschlichkeit ist wichtiger als alle Unterschiede. Das ist das Ziel. Ein menschenwürdiges Leben für alle. Keiner und keine von uns kann ohne Schalom leben.

Unser Leben ist voll von Geschichten des Friedens. Beim Rückblick auf das vergangene Jahr wird jede und jeder solche Geschichten finden. Und beim Vorausblick auf 2019 hat jede und jeder Hoffnung auf Frieden. So sehr wir enttäuscht sind von vergeblichen Hoffnungen, weil Krieg und Gewalt weiter da sind: Auch die Geschichten vom Schalom unter den Menschen werden kein Ende nehmen. Sie müssen gesucht, geschrieben und gelebt werden.

Schalom uns allen, nicht nur als frommer Wunsch wie im Gruß, sondern als Aufgabe. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Dieser Satz soll uns alle in diesem Jahr begleiten. Wir wissen heute noch nicht, welche Situationen es werden, die uns herausfordern. Aber wir können diese Gedanken in unseren Herzen bewegen und so drauf einstellen. Wir können beten, dass Gott uns, wenn es darauf ankommt, den Mut zum Frieden, zum Schalom, zur Hingabe gibt.

Das ist jetzt ganz schön viel Forderung. Gesetz wie es Martin Luther gesagt hat. Doch es gibt kein göttliches Gesetz ohne Evangelium. Keine Forderung ohne frohe Botschaft. Denn so spricht unser Herr Jesus Christus: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“. Macht Frieden und ihr werdet Gottes Kinder sein. Auf allen unseren Bemühungen liegt Gottes Segen und Verheißung, dass wir uns dadurch als seine Kinder zeigen werden. Schalom ist Gottes Wille für uns. Und wenn wir ihm nachjagen, dann können wir sicher sein, dass auf all unseren Bemühungen sein Segen liegt. Und wir sind Teil einer hervorragenden Jagdgesellschaft. Menschen rund um den Erdkreis sind dazu aufgerufen, Gottes Frieden zu verfolgen und an der Spitze der Jagdgesellschaft… Da ist unser Herr Jesus Christus selbst: Sein Versprechen, dass sich Gottes Frieden letzten Endes durchsetzen wird. Darauf dürfen wir vertrauen und darum wollen wir uns bemühen. Und unser Herr Jesus Christus wird das seine dazu tun.

Also ein gutes 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Weidmanns Heil. Amen

Pfr. Markus Lang